Australien und die Wildpferde

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So, nun erfährst du nun alles zu meiner Reise nach Australien, der Arbeit mit den Wildpferden und allen anderen Dingen, die ich auf meiner Reise dorthin und vor Ort erleben durfte. Es war eine sehr erlebnisreiche Reise, die ich dir nicht vorenthalten möchte. Während dieser Zeit habe ich Tagebuch geführt, damit ich das Erlebte festhalten und mich auf diese Weise an diese wundervolle Zeit erinnern kann und natürlich, um dir davon zu berichten. 😉

Als ich so ganz entschleunigt aus dem Urlaub zurück in den eigenen normalen Alltag zurückkam, hatte ich mit ein paar Dingen zu kämpfen. Eines davon war die plötzlich chronische Unlust mich an einen PC oder Laptop zu setzen. Vor meiner Reise liebte ich es im Internet zu stöbern und zur recherchieren und saß wirklich sehr gern vor meinem Laptop. So oft und so lange ich konnte, verbrachte ich die Zeit draußen in der Natur und bei meinem Pferd. Nach einem Auftenthalt im Grünen, war ich wie ausgewechselt – es ging mir gut, ich war entspannt und ausgeglichen, dort fand ich meine Erholung mehr denn je.

Mich bei schlechtem Wetter in der Wohnung aufzuhalten, fiel mir sehr schwer. Ich fühlte mich meiner neu gewonnenen „Freiheit“ beraubt und verspürte teilweise extremen Drang nach draußen. Ich konnte mir gut vorstellen, wie es sich für ein freiheitsliebendes Pferd anfühlen muss in einer begrenzten Box zu stehen und das keinen Einfluss darauf hat, wann es nach draußen kann, auch wenn es innerlich fast explodiert. Da hat „DownUnder“ irgendetwas in mir umgepolt.

So ein Erlebnisbericht schreibt sich erfahrungsgemäß nicht unbedingt von selbst, daher hat es jetzt lange gedauert, bis du hier etwas darüber zu lesen bekommst. Möglicherweise hat es aber auch etwas Gutes, denn so kann ich dir mehr über die Veränderungen dieser Reise auf mein nachfolgendes Leben berichten. Wie es zu dieser Reise kam, kommt am Schluss. 🙂

Bei der Reiseplanung und auf dem Weg zum fünften Kontinent war ich nicht alleine. So beginnt dieses Abenteuer bei den ersten Vorbereitungen.

 Die Vorbereitungen

Am 07.01.2014 kam der erste Anflug von Aufregung bei der gemeinsamen Flugbuchung und Hotelzimmerreservierung mit meiner Mitfliegerin Julia. Ich war wirklich froh, als absolutes „Greenhorn“ nicht alleine auf diese lange Reise gehen zu müssen, da ich zu dem Typ Mensch gehöre, die mehr nach Sicherheit, Risikofreiheit und Planbarkeit streben als manch andere. Außerdem bestand meine Flugerfahrung bis dahin gerade einmal aus zwei Inlandsflügen und ich hatte etwas Sorge, ob ich mich alleine an den Flughäfen der Welt zurechtfinden würde. Julia konnte mit minimal mehr Flugerfahrung aufwarten. Zu zweit jedoch, schien uns das Ganze machbar zur richtigen Zeit, am richten Tag am richtigen Ort in der Welt in zu sein. Später sollten sich noch weitere liebe Menschen dazugesellen.

Nachdem ich mit Julia eine Woche zuvor ein erstes Telefonat geführt hatte, um sich kennenzulernen, riefen wir uns nun zusammen, um Nägel mit Köpfen zu machen. So saßen wir am Abend des 07.01.2014 beide ganz aufgeregt vor dem PC, mit Handy am Ohr und buchten gemeinsam Schritt für Schritt unseren ersten Langstreckenflug bei Emirates vom Flughafen München (Franz Josef Strauß) über Dubai nach Sydney (Kingsford-Smith) für den Do. 13.03.2014 mit Abflug 14.25 Uhr deutscher Zeit. Ankommen sollten wir am Fr. 14.03.14 um 22.30 Uhr australischer Zeit.

Wir hatten geplant einen Tag, den Samstag, in Sydney zu verbringen, um dort erstmals Australienluft zu schnuppern und den Jetlag einigermaßen zu verarbeiten, bevor wir am So. 16.03.14 um die Mittagszeit mit dem Zug weiterreisen würden.

Quelle: www.emirates.com/de/german/

Die Wahl der Airline fiel auf Emirates, da wir Emirates kannten und wir im Bekanntenkreis nur Gutes über das Reisen mit dieser Airline gehört hatten. Bei so einem langen Flug wollten wir hier keine Abstriche machen. Außerdem wollten wir schon immer einmal mit einem Riesenvogel vom Typ Airbus A380 fliegen. 😉

Nach der Auswahl des Fluges, wählten wir zuerst unseren Sitzplatz und danach noch die bevorzugte Essensart (z. B. vegetarisch, lakto-ovo, Diabetiker etc.) aus einer Liste aus. Nach Eingabe unserer Personendaten, Reisepassdaten und was weiß ich noch wie vielen Angaben kamen wir bei den Kreditkartendaten schön langsam zum Ende. Nach Abschluss des Zahlungsvorgangs war es vollbracht! Die Reisedauer betrug laut Buchungsbestätigung insgesamt ca. 20 Stunden.

So, Flugbuchung geschafft. Wo jetzt übernachten? Mit der Überlegung, dass wir am So. 16.03.14 um 11.41 Uhr am Hauptbahnhof in Sydney sein sollten, tendierten wir zu einem Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs. Über Expedia fanden wir schließlich die Springfield Lodge im Stadtteil Potts Point mit ca. 10 Minuten Fußmarsch zur nächsten U-Bahnstation für eine Weiterfahrt zur Central Station.Für unseren Rückflug am Mo. 31.03.14 um 6.00 Uhr morgens, wählten wir ein Hotel nahe am Flughafen, um möglichst schnell so früh morgens dort zu sein.

Nun waren die Weichen für unser Abenteuer in Australien gestellt, aber so richtig bewusst waren wir uns dessen noch nicht wirklich.

In der gleichen Woche besorgte ich mir auch gleich noch mein Touristen-Visum. Dieses hätten wir bei der Flugbuchung über Emirates direkt mitbeantragen können, der überhöhte Betrag von ca. 50 € hielt uns aber davon ab. So besorgte ich mir dieses für reguläre 10 € im nahegelegenen Reisebüro. Die Online-Beantragung wäre die andere Alternative gewesen.

 Vom Kranksein und Urlaub

Die Zeit von der Flugbuchung Anfang Januar bis Februar verging und Ende Februar bekam ich ein erstes Unruhegefühl. Es waren nun nur noch zwei Wochen bis zu meinem Abenteuer, dann nur noch eine Woche. Obwohl nun eine gewisse Aufregung und Vorfreude vorhanden waren, hatte ich gleichzeitig innerlich überhaupt kein Bedürfnis zu verreisen. Ich wusste, dass ich definitiv am Do. 13.03. meine Koffer gepackt haben musste und es los ging.

Quelle: www.flickr.com/photos/marber09/2113632720

Zu allem Übel bekam ich anderhalb Wochen vor Urlaubsantritt auch noch eine Erkältung, Husten und Schnupfen quälten mich. Vom Allgemeinzustand fühlte ich mich gut, so dass ich die letzten anderhalb Wochen weiter in die Arbeit ging, schön Tee trinken und Medizin nehmen, dachte ich, dann würde das schon wieder werden. Am letzten Wochenende vor Urlaubsantritt, am Samstag, packte ich zwei Drittel meines Reisekoffers. Am Sonntag-Abend, wurde ich dann schlagartig mit Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit beglückt, so dass ich Montagmorgen dann meinem Hausarzt einen Besuch abstattete. Es blieben nun noch zweieinhalb Tage, um mich möglichst gut zu kurieren und wieder einigermaßen fit zu werden.

Julia und ich standen nun wegen der Abreise vermehrt in Kontakt. Sie hatte eine fiese Grippe erwischt. Auch sie kämpfte darum, innerhalb der noch verbleibenden Zeit einen möglichst guten Gesundheitszustand für den Abflug zu erhalten. Die Reise schien unter keinen guten Stern zu stehen.

Good Bye Deutschland – Australien ich komme!

Die Ruhe der letzten 3 Tage hatte mir gut getan. Ich war zwar bei weitem nicht gesund, aber in einem wesentlich besseren reisetauglichen Zustand.

Ich traf mich mit Julia mit entsprechender Vorlaufzeit am Flughafen München. Beim Check-In ging es schon gut los: Eine Datumsangabe auf meinem Visum war bei mir nicht korrekt ausgefüllt und die Emirates-Mitarbeiterin bat mich um etwas Geduld. Mit Hilfe einer Kollegin konnte die Sache berichtigt werden und so checkte auch ich nach einer gefühlten Ewigkeit schließlich ein.

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Wir verabschiedeten uns von unseren Liebsten und begaben uns durch die Sicherheitskontrolle in den Wartebereich. Julia kam anstandslos durch. Ich wurde noch einmal manuell gefilzt. So, nachdem wir unser restliches Zeugs wieder an uns gelegt bzw. verstaut hatten, warteten wir darauf, dass unser Flug aufgerufen wurde und wir an Board gehen konnten. Wir kauften uns noch eine Flasche Wasser für den Flug. Dann nahmen wir im Wartebereich Platz und plauderten ein Weilchen: Wie jede zu dieser Reise gekommen war, wie jede auf das Pferd gekommen war und was jede bisher mit Pferden zu tun hatte, wie unsere Reise wohl noch verlaufen würde … und vieles mehr. 🙂

Der Flug von München nach Dubai sollte um 14.30 Uhr abgehen – schließlich ging es mit einer Stunde Verspätung los, da das Flugzeug aufgrund starker Winde in Dubai schon verpätet gestartet war und sich dadurch die Ankunftszeit in München verschoben hatte.

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Knapp 5.000 km lagen nun bis Dubai vor uns. Planmäßig sollten wir um 23.15 Uhr (Dubai-Zeit) landen und dort eine Aufenthaltszeit von 2,5 Stunden  haben, bevor es nach Sydney weitergehen sollte – es kam jedoch anders.

Links neben mir im Flugzeig saß ein Herr, der auf dem Weg zu einem Feng Shui Seminar nach Sri Lanka war. Auch ein schönes Reiseziel. 🙂 Ich unterhielt mich ein bisschen mit ihm, dann begannen die Startvorbereitungen und der schwere Vogel startete in die Lüfte durch!!! Wir machten es uns soweit möglich auf unseren Sitzplätzen gemütlich, danach mit dem Entertainment-Angebot vertraut. Kurz darauf zogen auch schon die Stewardessen und Stewards los, um Getränke und kurze Zeit später die erste Mahlzeit zu verteilen.

Die nächsten 6 Stunden bestanden aus Quatschen, Essen, Trinken, Fernsehen, Dösen/Schlafen und etwas Bewegung auf den Weg zur Toilette.

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Gegen Ende des Fluges teilte der Pilot mit, dass es aufgrund starker Winde zu Turbulenzen und Verzögerungen bei der Landung kommen könne. So drehten wir noch schön zwei größere Schleifen in der Luft bis das Flugzeug endlich landete. Der Anschlussflug nach Sydney ging um 01.50 Uhr (Dubai-Zeit), es war schon Fr. 14.03.2014.

Ich weiß nicht mehr, wann wir genau gelandet sind. Es war definitiv schon sehr knapp, denn als wir beim Verlassen des Flugzeugs am Ende des Korridors ankamen, stand dort bereits ein Herr, der unseren Flug aufrief und uns flüchtig und etwas undeuttlich mitteilte, wohin wir mussten. Zunächst bewegten wir uns etwas orientierungslos umher. Dann fanden wir einen weiteren Herren, der die Passagiere eines anderen Fluges mit Weiterflug nach Sydney aufrief. Hektik lag in der Luft. Wir schlossen uns dieser Gruppe an und das war auch gut so. Denn nachdem wir in Windeseile durch die Sicherheitskontrolle durch waren, führte er die Gruppe im Stechschritt einmal halb durch den Flughafen zum nächsten Kontroll-Punkt.

Dort fühlten wir uns wie Verbrecher: Strenge Gesichter des Personals, kurze Ansagen, der Entzug unserer Wasserflaschen, die Durchsicht unseres mitgeführten Gepäcks und hopp hopp ab in die Wartezone für den Anschlussflug! Nach etwa 10 Minuten ging es schon wieder ab ins Flugzeug und wieder hoch in den Himmel, die nächsten ca. 12.000 km vor uns. Das wars mit dem Zwischenstopp in Dubai – nett war’s. Unser Endziel Sydney sollten wir um 22.30 Uhr (australischer Zeit) erreichen, was aufgrund der Verspätung nicht mehr möglich war.

Weitere ca. 13 Stunden bestanden wieder aus Quatschen, Essen, Trinken, Fernsehen, Dösen/Schlafen und etwas Bewegung auf den Weg zur Toilette. 🙂 Es war ca. 23.30 Uhr als wir endlich! in Sydney landeten. Erschöpft im Flughafen Sydney angekommen, musste jeder Einreisende eine Passenger Card ausfüllen und Angaben zum Flug und der Weiterreise machen, seine Kontaktdaten angeben, wo man sich in Australien aufhalten würde und noch eine Reihe von Fragen mit „ja“ oder „nein“ zur Einreise beantworten.

Quelle: www.expedia.de

So füllten auch wir jeweils eine Karte aus, die bei der Passkontrolle vorgezeigt werden musste und einbehalten wurde. Nun konnten wir uns endlich auf die Suche nach unserem Gepäck machen. Damit im Schlepptau bewegten wir uns Richtung Taxisammelstelle. Wir nahmen uns ein Taxi und wollten nur noch ins Hotel nach Potts Point, das als Party-Viertel bekannt sei, wie uns der türkischstämmige Taxifahrer auf der Fahrt dorthin erzählte. Dort angekommen zahlten wir schlappe 55 Dollar für’s Taxi! Möglicherweise etwas überteuert, aber egal, wir hatten unser erstes Zwischenziel endlich! erreicht.

 

 Jetlag lässt grüßen!

Nachdem wir aus einem kleinen Safe an der rechten Seite der Eingangstüre des Hotels unseren Zimmerschlüssel geholt hatten, war es fast geschafft. Wir waren nun wirklich hundemüde und nachdem wir unser Zimmer inspiziert, gelüftet und uns mit der Klimaanlage vertraut gemacht hatten, hauten wir uns um 01.45 Uhr aufs Ohr. Um 4 Uhr war die Nacht vorbei, da unser Körper ja noch auf Deutschland-Zeit getrimmt und es dort mit etwa 10 Stunden Zeitverschiebung gerade 18 Uhr am Vortag war. Was tun, wenn man nicht schlafen kann? Genau: Quatschen. 🙂 Als es dann 6 Uhr morgens war, überkam uns wieder die Müdigkeit und wir schlummerten noch einmal kurz bis 7.30 Uhr.

Etwa eine halbe Stunde vorher begann sich ein Vogel mit ungewöhnlichen Lauten bemerkbar zu machen. Wir dachten, das könne nur ein Papagei sein. Bereit für den ersten Ausflug bei Tage machten wir uns mehr oder weniger ausgeruht um 8.30 Uhr zunächst auf den Weg zur Rezeption. Nachdem wir uns informiert hatten, gings weiter auf „Futtersuche“.

Hello Sydney!

Der Weg führte uns nur ein paar Meter weiter zur Lüneburger German Bakery. Mein Frühstück war ein Brötchen mit Tomate, Mozzarella und Pesto für 5 $. Es war schon sehr warm, so dass wir uns vor der Bäckerei an einen kleinen Tisch setzten und draußen aßen. Nebenbei beobachteten wir die dort vorbeikommenenden Australier. Modisch ist dort anscheinend alles drin. 🙂 Auch der vermeintliche Papagei meldete sich wieder. Als wir in die Bäume über uns kuckten, stellten wir jedoch fest, dass es sich wohl um eine australische Krähe handelte, die diese lustigen Töne von sich gab. 🙂

Quelle: Eigenes Bild

Gestärkt erkundeten wir etwas die Umgebung und machten uns auf zur nahegelegenen Woolloomooloo Bay. Dort ankerte ein Schiff der Marine und dort war auch gerade eine Veranstaltung im Gange. Am Bootssteg entlang über den Mrs Macquaries Bushland Walk besuchten wir die Royal Botanic Gardens mit ihren wunderschönen faszinierenden Bäumen und einer Menge an Papageien (die Spatzen Australiens :-)).

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Fasziniert von der Vogelwelt beobachteten wir diese bei ihren Machenschaften. An einem Platz hatte jemand Brotkrumen im Gras verteilt, an dem sich die kleinen Kobolde gemeinsam mit Tauben tummelten. Kurze Zeit später flog ein Geschwader Weißhaubenkakadus über unsere Köpfe hinweg. Für mich war das ein schönes Erlebnis, diese Vögel, die man zuhause meist nur in der Zoohandlung im Käfig sieht so frei in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen.

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Nach einer Weile Papageien-Viewing machten wir uns auf den Weg zu Mrs Macquaries Point. Von dort aus hatten wir freie Sicht auf die Oper von Sydney eines der markanten und berühmten Gebäude des 20. Jahrhunderts und das Wahrzeichen der Stadt. Gleich daneben befand sich die Harbour Bridge, die Hauptverbindung zwischen Sydneys Nord- und Südküste über den Hafen von Sydney (Port Jackson).

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Da es stetig heißer wurde und wir noch nicht ganz auskuriert waren, schlugen wir um 11.00 Uhr den Rückweg zur Springfield Lodge ein. In der Nähe des Hotels besorgten wir uns bei Harris Farm Markets noch Proviant für den Tag. Das nächste kleine Erlebnis für sich: Nachdem wir die Eingangstür des Lebensmittelladens passiert hatten und während wir die Rolltreppe hinabfuhren, stieg uns der intensive Duft von frischem Obst in die Nase, das auch noch sehr ansprechend präsentiert wurde. Die Auswahl an Nüssen samt einer Nuss-Selbstbedienungs-Bar war ebenfalls beeindruckend. Geschmacklich sind die Nüsse ein Gaumenschmaus verglichen mit dem Nussangebot bei uns in Deutschland.

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Es war 12.00 Uhr als wir zurück ins Hotel kamen. Bis 17 Uhr machten wir eine Pause, um uns zu erholen. Danach hatten wir wieder etwas Energie für einen kleinen Abend-Ausflug in Sydney. Es war etwa 17.30 Uhr und kurz bevor wir los wollten, begann es schauerartig zu regnen.Während sich das Gewitter draußen austobte, unterhielten wir uns mit John, einem netten älteren Herrn, der an der Rezeption gerade Dienst hatte.

Er fragte uns warum wir hier seien, woher wir kämen und was wir in Australien denn so vor hatten. Als wir ihm erzählten, dass wir hier wären, um mit Wildpferden zu arbeiten, ging es im Anschluss mit tierischen Themen weiter. John erzählte uns von einem Vorfall im Northern Territory, einem Kampf zwischen einem Krokodil und einer Riesenschlange, den die Schlange letztendlich gewann. Mehr dazu findest du hier.

Eine weitere Geschichte handelte von einem Mann, der in seinem Job viel mit Wildtieren zu tun hatte und entsprechend viel Erfahrung damit hatte. Er hatte mit einem Panther zu tun, an den er aber nicht herankam, die Beziehung stimmte irgendwie nicht. In der täglichen Arbeit nannte er das Tier so ähnlich wie „Schwarzer Teufel“. Eines Tages kam eine deutsche Touristin und sagte dem Mann, es sei nur zu gut nachvollziehbar, dass kein Bezug vorhanden war, da ihn das Tier nicht mochte. Hatt er der Raubkatze doch einen negativ belegten Namen gegeben. Manche Menschen hätten eben eine besondere Verbindung zu Tieren.

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Die dritte Geschichte, war die für mich ergreifendste. Sie handelte von John’s Hund, der zu diesem Zeitpunkt seit ca. 7 Monaten verstorben war. Er erzählte davon, wie er ihn ausgewählt hatte bzw. der Hund ihn und welche Verbindung er zu diesem Tier hatte. Seine Augen begannen sich zu verändern, während er erzählte und ich merkte, wie sehr es ihn nach wie vor berührte und wie er um Fassung rang. Er hatte den Verlust seines Seelenverwandten, der mehr als 15 Jahre seines Lebens mit ihm verbracht hatte noch nicht verwunden. Am Ende hatte er Tränen in den Augen und ich auch.

Der Regen hatte wieder nachgelassen, so dass wir los konnten. Abschließend fragten wir John noch nach der U-Bahn-Verbindung für die Anreise von der Station Kings Cross zum Hauptbahnhof am Sonntag Vormittag. Wie sich herausstellte, war die Station wegen Wartungsarbeiten gesperrt und es fuhr kein Schienenersatzverkehr in diese Richtung. Andere U-Bahn-Stationen lagen zu weit entfernt, um sie mit Gepäck gut zu erreichen. Es war also wieder Taxi angesagt.

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Nachdem wir vormittags in Richtung Park/Hafen unterwegs waren, erkundeten wir nun die Stadt. Zu unserer Überraschung segelten zwischen den (Hoch-)Häusern neben Vögeln auch Flughunde umher. Auf halben Wege durchquerten wir eine Hälfte des Hyde Parks mit seinen großen alten Bäumen, der durch die Park Street/William Street geteilt wird. Um 20.00 Uhr kamen wir zurück und aßen etwas zu Abend.

Das Ziel kommt näher

Nach einer Nacht mit zwei Stunden Tiefschlaf, 2 Stunden Quatschen und der restlichen Zeit in einem dösendem Zustand machten wir uns um 7 Uhr fertig für die Weiterreise. Bei Harris Farm Markets besorgten wir noch einmal Verpflegung, in der Apotheke noch einmal etwas Medizin und Insektenschutzspray. Um 10.30 Uhr kamen wir mit ausreichend Zeitpuffer am Hauptbahnhof an, um um 11.41 Uhr mit dem Zug nach Gloucester (Ankunft 16.22 Uhr) weiterzureisen.

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Hier würden wir auf Sonja und Barbara treffen. Mit den beiden waren wir die vier Pferdefrauen, die gemeinsam auf einer Farm mit Wildpferden Bekanntschaft machen würden. Diese Möglichkeit wurde uns von Daniela Becker, einer Natural Horsemanship Trainerin für den natürlichen Umgang mit Pferden (www.thenaturalway.de) gegeben. Sie hat vor ca. 10 Jahren selbst ihre ersten beiden Wildpferde Lakota und Jasper gezähmt.

Von Zeit zu Zeit bietet Sie vier Pferdemenschen an, mit ihr nach Australien zu reisen und dort gerette wilde Brumbies sowie wildlebende Farmpferde zu trainieren. Vor Reiseantritt hatten wir uns in Deutschland alle einmal gemeinsam getroffen, um uns kennen zu lernen. Dani war schon ein paar Tage zuvor angereist und würde uns in Gloucester mit dem Auto abholen.

Es war auch möglich, dass wir auf Doro trafen. Doro war eine Freundin des Farmbesitzers, die seit kurzem in Sydney lebte und die uns etwa eine Woche bei der Arbeit mit den Wilden über die Schulter schauen wollte. Keine wusste, wie sie aussah, um sie zu erkennen.

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Etwa 15 Minuten vor Abfahrt sichtete ich Sonja und Barbara durchs Zugfenster auf dem Bahnsteig und holte sie dort ab. Wir saßen alle im gleichen Zugabteil und als wir uns auf unsere Plätze begaben und wir uns über unsere bisherigen Erlebnisse und das weitere Abenteuer unterhielten, sprach uns eine junge Frau an – es war Doro. Sie hatte unser Gespräch verfolgt und gut kombiniert. So setzten wir unsere Reise zu fünft fort. 🙂

Kurze Zeit nachdem der Zug die Central Station verlassen hatte, begann es zu regnen. Durch die relativ kühl eingestellte Klimaanlage des Zugs war ich froh, mir meine Fleecjacke eingepackt zu haben, denn mit der Zeit wurde es kühl im Zug. Mit meiner 7/8 Hose wurde es mit der Zeit an den Beinen recht zapfig.

Quelle: Eigenes Bild

Nahezu die gesamte Zugfahrt begleiteten uns Regen und Sturm, so dass wir von der Landschaft nicht allzu viel zu sehen bekamen. Durch vorausgegangene Unwetter und möglichen Ästen oder umgestürzten Bäumen auf den Schienen musste der Zug teilweise sehr langsam weiterfahren, so dass wir nach ca. 5 Stunden mit Verspätung um ca. 16. 50 Uhr in Gloucester eintrafen.

Dani und ein Farmhelfer warteten schon auf uns. Die Begrüßung fiel bedingt durch das Wetter kurz und knapp aus, so dass wir direkt zu den Autos marschierten und uns auf die beiden Autos verteilten. Ich saß mit in einem älteren Kia Carens, der eine Störung in der Wegfahrsperre hatte und oft beim ersten Versuch nicht ansprang, wie auch in diesem Moment. So waren mehrere Versuche nötig, das Auto zu starten. Diese kleine Zwangspause sollte nicht die letzte gewesen sein. 🙂

  Ankunft auf der Farm

Die Fahrt zur Farm dauerte ca. 1 Stunde. Auf dem Weg dorthin wichen wir einigen größeren Ästen auf der Straße aus, die dem Sturm zum Opfer gefallen waren. Um etwa 18 Uhr erreichten wir unser Ziel, die Farm „Kooloombakh“ an der Ostküste Australiens, 300 Kilometer nördlich von Sydney. Die Farm gehört zum kleinen Dorf  Krambach, New South Wales. Kevin, der Farmbesitzer hieß uns willkommen. Dabei holte ich mir gleich mal meine ersten australischen Mückenstiche – diese Biester.

Quelle: Google Maps

Dani zeigte uns anschließend unsere Zimmer (2 Personen pro Zimmer). Wir bezogen unsere Betten, sprühten uns gut mit Insektenschutzspray ein, packten ein bisschen aus, machten uns mit den Räumlichkeiten und den Regeln im Farmhaus vertraut:

  • Die Wasserversorgung dort übernimmt nicht der örtliche Wasserversorger, sondern die Natur. Das Regenwasser wird in einem Wassertank gesammelt und ist damit begrenzt vorhanden. Das hieß Wassersparen beim Zähneputzen, Duschen und am stillen Örtchen.
  • Essen wurde in Zusammenarbeit zubereitet, zu Abend gegessen wurde mit allen gemeinsam. Der Küchendienst wurde abwechselnd übernommen.
  • Lebensmittel sind in Australien teuer. Das hieß, alles bevor es schlecht wird zu verwerten und Reste vom Vortag gut zu kombinieren. Bevor Lebensmittel durch die Hitze verderben, ab damit in die Gefriertruhe.
  • Klamotten im Kurzprogramm waschen, um Wasser und Energie zu sparen.

Als Folge eines Unwetters gab es einen Stromausfall. So hatten wir gleich mal ein gemeinsames Abendessen bei Kerzenschein: Zwei Farmhelfer, wir vier, Doro und Dani sowie Kevin und Oliver, der Sohn von Kevin. Da auch Vegetarier unter uns waren, wurde für beide Fälle gekocht, so dass keiner zu kurz kam (das war übrigens immer so).

Quelle: Eigenes Bild

Kein Strom hieß auch kein Wasser, keine Toilettenspülung, kein Internet, kein Telefon, keine Kontaktmöglichkeit nach außen. Diese als so selbstverständlich erachtenten Dinge, werden meist erst geschätzt, wenn sie fehlen.

Diesen ersten Abend ging ich, erschöpft von der langen Anreise und den vorausgegangenen schlafarmen Nächten früh zu Bett. Doro hatte ebenfalls ein Zimmer bei uns im Farmhaus. Dani und Kevin schliefen in der Cabine, einer schön eingerichteten Hütte hoch oben am nahegelegenen groooooßen Hügel, die per Motorrad/Geländewagen erreichbar ist.

 

Die erste Begegnung mit den Wilden

Mein Wecker klingelte um 06.30 Uhr. Es war die erste Nacht, in der ich länger am Stück geschlafen (bis 4 Uhr) hatte. Während der Morgenwäsche, konnte ich aus unserem Zimmer morgens die ersten Wallabys, die um das Farmgelände grasten, beobachten. Es waren 4 Stück an der Zahl. Um 7 Uhr ging die Sonne auf. Beginnend am Gipfel des benachbarten Hügels verteilte sie ihre Strahlen sehr schnell bis zu dessen Fuß hinunter. Als Frühstück aß ich meinen restlichen Proviant von der Anreise.

Quelle: Eigenes Bild

Treffpunkt war der große Esstisch oder die Sitzmöglichkeiten auf der Veranda. Dort konnte man gemeinsam mit den Papageien, die dort eine Sitz- und Fressgelegenheit hatten, frühstücken. Als die Zeit der Papageien vorbei war, kamen die Finken, um ihr Futter abzuholen. Mindestens einer beobachtete uns immer haargenau und sobald jemand eine Bewegung machte, waren sie blitzschnell weg und im gleichen Atemzug auch wieder da.  Diese Kleinen hatten einen angenehmen Ruf, waren einfach niedlich und schön anzusehen.

Quelle: Eigenes Bild

Um 8.30 Uhr wollten wir gemeinsam zu den Pferden starten, von Sonja und Barbara war jedoch noch nichts zu sehen. Wie sich herausstellte, hatten die beiden verschlafen. 🙂 So machten wir uns zunächst zu viert (Dani, ich, Julia und Doro) schon einmal auf den Weg, um die ersten Pferde zu besuchen. Insgesamt waren alle Pferde auf drei verschiedene Koppeln verteilt. Koppel 1: Yappa, Lumina und Halley. Koppel 2: Lakota und Lakida, Koppel 3: Topaz und Planeto. Möchtest du vorab ein bisschen mehr über sie erfahren, findest du weitere Infos hier.

Quelle: www.flickr.com/photos/grey_albatross/14224875930

Bei jeder Koppel befand sich eine sogenannte Yard, ein eingezäunter Bereich bzw. Sammelplatz, in dem Rinder getrieben, sortiert, separiert und/oder nacheinander durch einen schmalen Gang zum Teil über eine Rampe in einen Viehtransporter verladen werden können.

Dort fanden wir vor: Yappa, ein 8jähriger Quarab-Kaltblut-Mix und Nachwuchs-Farmpferd, wie auch Lumina, die wilde Brumbystute und Halley, Luminas 3jährige Tochter, ebenfalls eine Brumby-Dame.

Lumina ist etwa 10 Jahre alt, wild und meidet jeglichen Menschenkontakt. Halley ist schon zutraulich und kommt gut alleine zurecht. Das bisher Erarbeitete und ihr Zutraulichkeit drohten jedoch durch den Kontakt mit ihrer sehr scheuen Mutter wieder verloren zu gehen. So stand der Entschluss von Dani fest, die beiden zu ihrem Besten zu trennen. So lautete das erste Tagesziel: Halley zu Onkel Lakota und Schwesterchen Lakida bringen.

Quelle: Eigenes Bild

Bevor wir das taten, kehrten wir noch einmal zur Farm zurück, um unsere beiden Langschläfer 😉 Sonja und Barbara abzuholen. Sie waren inzwischen wach und startbereit.

Die große Schwester kommt

Zurück beim Pferde-Trio Yappa wurde auch gleich aufgehalftert und bekam ein Bareback-Pad auf seinen mächtigen Rücken. Sodann machten wir uns zu Fuß auf den Weg zur anderen Koppel – Halley lief frei mit.

Als wir Lumina verließen, verhielt sie sich ganz still. Weder regte sie sich auf, dass sie alleine zurück blieb, noch rannte sie aufgeregt in der Yard umher. Von lautstarkem Wiehern ganz zu schweigen, wie es ein Pferd bei uns im Stall sehr wahrscheinlich machen würde, ließe man es alleine ohne einen Kumpel zurück.  Einem Wildpferd sichert dieses Verhalten jedoch das Überleben, wenn es als einzelnes Tier ohne Herde vor Raubtieren unentdeckt bleiben möchte.

Quelle: Eigenes Bild

Auf den Weg zur anderen Koppel lagen einige mehr oder weniger große Hügel, die wir zu Fuß mehr oder weniger schnell überwanden. Yappa hatte sein Tempo und stapfte gemütlich vorwärts, Dani auf seinen Rücken. Sie hatte sich nach kurzer Zeit von ihm tragen lassen und er fand es nach etwas mehr als einer Stunde Reiterfahrung in seinem Leben und 3 Monaten ohne Menschenkontakt in Ordnung. 🙂

Halley wurde mit der Zeit zunehmed mutiger, hatte kaum Berührungsängste und überschritt zeitweise sogar die Respektsgrenze uns gegenüber. Die junge Dame hatte sichtlich Spaß an dieser Wanderung. Bei Onkel Lakota und Schwester Lakida angekommen, begrüßten sich alle ganz lieb und gut war es.

Quelle: Eigenes Bild

Yappa sollte die Nacht über in einer benachbarten Yard verbringen, damit er am folgenden Tag zu Topaz, der alten Zuchtstute der Farm und dem 3jährigen Brumby-Hengst Planeto auf die Koppel ziehen konnte. Nachdem wir Yappa zur Yard gebracht hatten, wanderten wir über die Hügel zur Farm zurück.

Nach dem Mittagessen, bereiteten wir gleich das Abendessen vor.Wieso? Am Abend wollten wir den Mondaufgang oben am Hügel bei der Cabine mitansehen und gemeinsam essen. Huiii!

Die wilde Perle

Um 16 Uhr machten wir uns noch einmal zu den Pferden auf. Die erste Station war Lumina. Beim letzten Besuch von Dani und ihren Mädels hatte Lumina Lakida als Fohlen bei Fuß. Dadurch war das Zähmen im November 2013 etwas schwierig. Sie war sehr skeptisch und behütend. Das Zähmen von Lumina sollte also dieses Mal das Ziel sein. Etwa eine Woche zuvor wurde Lakida, Luminas letztes Fohlen von ihr abgesetzt, so dass wir nun mit Lumina arbeiten konnten. In zwei Wochen wollten wir soweit kommen, dass eine medizinsiche Versorgung sowie das Entwurmen möglich sein würde.

An diesem ersten Nachmittag wollten wir ihr vermitteln, dass sie den Druck unserer Person kontrollieren kann, indem sie uns ansieht, sich uns mit dem Kopf zuwendet. So sollte sie lernen, die Aufmerksamkeit bei uns Menschen zu halten. Wichtig dabei war es, den richtigen Zeitpunkt für eine Pause als Belohnung für Lumina zu erkennen. Es war wirklich schön zu sehen, wie Lumina sich darauf einließ. Sie trat unglaublich fein in Kommunikation und schenkte uns zum Abschluss zwei Schritte auf uns zu.

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Eine Grundregel zur menschlichen Kommunikation lautet: „Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.“ (Paul Watzlawick, östereichisch-amerikanischer Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Soziologe, Philosph und Autor).

So hat für Pferde und vor allem für Wildpferde jede Körperbewegung eine Bedeutung, wirklich alles wird interpretiert. Kaugummi kauen zum Beispiel, signalisiert Unterwürfigkeit „Ich bin klein und gebrechlich, tu mir bitte nichts“. Auch solche als Kleinigkeiten betrachteten Dinge, die einem selbst vielleicht gar nicht so präsent sind, sollten wir bei Arbeit mit Pferden berücksichtigen.

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Im Anschluss ging es noch zu Onkel Lakota und den beiden jungen Damen. Noch am Vormittag zeigte Halley ihre wilde Seite, so dass unser Plan einfach darin bestand, alle drei gemeinsam in einem Paddock zu sammeln und mit positiven Erfahrungen zu versorgen. Dabei war eine silberne Futterschüssel unser großer Helfer…

Nach kurzer Zeit genossen die Drei die Behandlung mit den weiblichen Fingernägeln sichtlich. Erste Berührungen, Kraulen und Freude dabei – es hätte nicht besser laufen können.

Weitere Eindrücke des Tages findest du auch auf Dani’s Brumby Blog.

Eine Mahlzeit, ein Auto, ein Hügel

Ach ja, da war noch was. Wir wollten diesen Abend gemeinsam auf der Cabine oben am Hügel zu Abend essen und den Mondaufgang live erleben. So packten wir um etwa 18.30 Uhr unser Zeugs  sowie das Essen zusammen und nahmen allesamt zu fünft (inkl. Fahrer)  in einem alten Nissan Pickup, der keine Ladefläche mehr besaß, Platz.

Da Dani und Kevin mit den Motorrädern fuhren, brauchten wir einen Fahrer. Barbara war mutig genug und meldete sich freiwillig als Lenkerin, dieses Allrad-Fahrzeugs mit Fahrersitz auf der rechten Seite. Kevin erklärte Barbara kurz und knapp in einem für mich relativ schwer verständlichem Slang, wie sie das Fahrzeug den Hügel hoch fahren sollte.

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Dani fuhr mit dem Motorrad voraus, wir im Jeep hinterher. Los ging es gleich mit einem guten Gefälle einen kleinen Hügel hinunter, hindurch durch einen kleinen Bach mit unebenem Bett und schließlich ging es nur noch bergauf. Dann ging es los: mit gut ausgefahrenem zweiten Gang preschten wir den unebenen teils steilen Berghang hinauf. Jede von uns Beifahrerinnen hatte entweder ein Teil des Essens oder etwas anderes in den Händen und musste gut ausbalancieren, um alles dort zu belassen wo es sich befand. Joe, ein Farmhelfer saß hinten auf dem blanken Rahmen der Ladefläche.

Es war ein Geschaukel vom Feinsten und mit dem Geschaukel wechselten sich Aufschreie, Kichern und Lachen ab. Oben am Berg angekommen, verriet uns Kevins „F*** …“, dass die vorgezeigte Fahrweise wohl doch nicht ganz die richtige gewesen war.

Quelle: Eigenes Bild

Dabei kam dem Wort „slow“ eine wichtige Bedeutung zu, das irgendwie in der Erklärung zu kurz gekommen war. Ups! Dennoch war es eine riesen Gaudi und ein kleines Abenteuer für sich, hihi. Wir hatten gute Arbeit geleistet, denn das Essen und alles andere waren an ihrem ursprünglichen Platz geblieben – auch Joe war oben mit uns angekommen.

Um etwa 19 Uhr begann der Wechsel von Sonne und Mond an diesem wunderschönen Flecken Erde. Ich glaube, es war gegen 22 Uhr, als wir Richtung Farm aufbrachen. Bergabwärts und bei Nacht allein mit dem PickUp den Hügel hinunterzufahren, trauten wir uns jedoch nicht mehr. So fuhr uns Kevin freundlicherweise langsam den Hügel wieder hinunter. Unten am Farmhaus angekommen, räumten wir noch schnell alles Zeug aus dem Auto in die Küche und gingen danach gleich schlafen.

Yappa zieht um – Die Begegnung

Am Morgen trafen wir uns bei der Yard, um Yappa zu seiner Mutter Topaz (über 20 Jahre) und dem jungen Hengst Planeto zu bringen. Nachdem wir ihn mit Knotenhalfter und Bareback-Pad ausgerüstet hatten, ging die Wanderung auch schon los.

Der Weg führte uns über einige Hügel (keuch, keuch) und durch einige Gatter. Auf dem letzten Stück kamen wir an einem Haus vorbei, danach begann ein abschüssiger Wegabschnitt mit hohem Gras. Dani, die sich nach nach unserem Start auf Yappas Rücken geschwungen hatte, sagte kurz bevor wir das hohe Gras zu Fuß passierten: „Keine Angst vor den Schlangen. Yappa stampft so laut, so dass die Schlangen schon lange vor uns verschwunden sind.“. Aha … ein bisschen mulmig war mir schon zumute. In dieser Region gibt es wohl zwei Arten von Schlange: Die ungiftigen Schwarzen und die giftigen Braunen.

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Mitten im hohen Gras lag ein Baum im Weg, der beim letzten Sturm umgestürzt war. Dani versuchte Yappa vom Boden aus über den Baumstamm zu schicken. Doch an der ausgewählten Stelle war ihm der Baumstamm wohl zu hoch und Yappa war sich nicht ganz sicher, ob diese Stelle die richtige wäre – er zögerte. Den Baumstamm der Länge nach prüfend, versuchte Yappa es an einer anderen Stelle, an der der Baumstamm dünner und etwas niedriger war. Yappa machte einen Satz und drüben war er.

Gleich danach durchquerten wir noch ein fließendes Gewässer, das aufgrund des geringen Regens wenig Wasser führte und tränkten Yappa dort bevor wir zuletzt die Straße zur Koppel passierten.Von Topaz und Planeto war auf der Koppel weit und breit keine Spur. Sicher in der Koppel angekommen, machten wir Yappa Knotenhalfter und Pad ab, währenddessen und danach wieherte er einige Male.

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Kurz danach kamen die beiden Pferde aus der Ferne auf ihn zugelaufen. Yappa, der selbstbewusste Herdenchef und Junghengst Planeto kamen mit aufgerichtetem Hals aufeinander zu und beschnupperten sich, danach ging es rund. Wir beobachteten das Treiben der beiden bzw. der drei eine Weile bis sie schließlich außer Sichtweite waren.

Danach ging es weiter zu Lakota, Halley und Lakida. Dort warteten wir im Schatten darauf, dass die drei zu uns kamen. Dani half mit einer Futterschüssel nach. Lakota machte den Anfang und das Geschwisterpaar folgte ihm in kurzem Abstand. Nach dem Snack hofften wir, dass die Pferde auch so noch bei uns bleiben würden und erfreulicherweise taten sie es .

Dani halfterte Lakota auf und versuchte es auch bei Halley, der jungen Fuchsstute. Sie war bisher zweimal aufgehalftert worden. Beim dritten Mal klappte es jetzt schon ganz gut, so dass Halley im Nu auch ein Halfter um hatte. Bei ihr sollten im Laufe der zwei Wochen auch die Hufe gemacht werden. Pferde können Ihre Hinterhand sehr schnell und gezielt einsetzen und ein vermeintlich angezogenes Hinterbein muss bei Wildpferden nicht immer Entspannung bedeuten, Ganz im Gegenteil. Das Pferd zeigt damit seine lose Hinterhand.

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Der Sicherheit wegen versuchte Dani Halley’s Hinterbeine zunächst mit dem Stick beginnend bei der Kruppe bis zum Fesselgelenk zu berühren. Halley ließ sie gewähren und bekam sofort ein Lob. Da dies gut klappte, folgte die Berührung mit den Händen. Es klappte zweimal tadellos und Halley bekam ein dickes Lob in Form von Stimme und Mähnekraulen. Da man Halley anmerkte, dass ihre Konzentration zur Neige ging, schlossen wir mit diesem positivem Ergebnis ab.

Lakota ist schon sehr gut in Liberty. Lakota ist sehr fein uns sensibel. Ich denke nur in die neue Richtung und Lakota nimmt sofort den Richtungswechsel vor – wow. Hat er etwas gut gemacht, gebe ich ihm eine Pause, indem ich mich aus der Yard entferne und einige Zeit warte.

Dani hatte mit Lakota beim letzten Besuch die Handkuss-Übung traininert. Bei dieser Übung erhält das Pferd eine Pause als Belohnung, wenn es den Handrücken der vor dem Bauch gehaltenen Hand mit den Nüstern berührt. So lernt das Pferd auf den Handrücken zuzugehen, ganz nah am Handrücken zu bleiben und diesen zu berühren. Damit bekommt es die Erkenntnis, dass es selbst die Macht seinen Menschen stoppen. Eine Pause folgt unmittelbar, damit das Pferd über sein Verhalten nachdenken kann und später auf dieser Erfahrung weiter aufbaut.  Die Handkuss-Übung trägt dazu bei, das Verlangen des Pferdes beim Menschen bleiben zu wollen zu stärken. Denn ein Teilziel ist, jenes soweit zu stärken, dass das Pferd an keine andere Option mehr denkt, als bei seinem Menschen sein zu wollen.

Wie bei dieser Übung, wie auch generell ist es wichtig, sich vorher über das Ziel der Übung im Klaren zu sein und für das gewünschte Verhalten eine Belohnung zu geben. Denn Pferde lernen sehr schnell und daher auch sehr schnell etwas Falsches, wenn sie darin durch eine Belohnung, wie z. B. eine Pause bestärkt werden.

Die kleine Lakida bekam wieder eine Fingernagel-Wellness-Session, die sie sichtlich genoss.

Wiedersehen

Nach unserer Rückkehr auf der Farm, hatten wir alle Kohldampf. Jede machte sich etwas zu essen. Es war ein heißer Tag und wir beschlossen den Nachmittag am Pool des Dorfes Krambach mit baden und relaxen zu verbringen. Für diesen Tag hatten wir uns noch einen Besuch vorgenommen: Wir wollte das Araberfohlen besuchen, das durch Dani im November 2013 einen guten Platz fand und damit gerettet werden konnte und nachsehen, wie es ihm ging.

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„Hubble“ ging es bestens, sein damaliger extremer Senkrücken war wesentlich besser geworden. Dani knotete für „Hubble“ ein eigenes Knotenhalfter und zeigte Karen, der Besitzerin, im Anschluss noch einige Übungen, welche sie mit ihm machen konnte, ohne die Gelenke zu schädigen. Bei jungen Pferden sind die Wachstumsfugen der Knochen nocht nicht verschlossen, so dass bei zu starker Beanspruchung in jungen Jahren dadurch die Gelenke Schaden nehmen können.

Danach ging es wieder zu Lumina, der noch sehr wilden Stute. Als wir mit dem Auto ankamen, stand Sie im unteren Drittel der Koppel, nicht allzu weit von der Yard entfernt. Zu dritt machen wir uns zu Fuß auf den Weg zu Lumina, um sie Richtung Yard zu lenken. Sie zeigte uns bereits auf dem Weg zu dorthin, dass sie das gestern Gelernte gut verstanden hatte:  Sie hatte gelernt, den Druck zu ihren Gunsten zu kontrollieren, indem sie stehen blieb, sich uns immer wieder zuwandte und uns ansah, um uns zu stoppen. Sobald Ihre Aufmerksamkeit von uns wich, bewegten wir uns wieder vorwärts auf sie zu.

Wir konnten Lumina in den eingezäunten Bereich vor der Yard bewegen. Da sie uns jedoch wieder anbot den Druck wegzunehmen, indem sie sich uns zuwandte und uns ansah, nahmen wir ihr Angebot an und entfernten uns nacheinander aus dem Bereich (Drei Personen sind „beeindruckender“ als nur eine Person).  Dani versuchte herauszufinden, wie nah sie Lumina an sich heranlassen würde und den damit verbundenen Druck aushalten könnte. Am Ende dieses ersten Versuchs ließ Lumina sie bis auf eine Armlänge an sich heran, Luminas Anspannung war dabei nicht zu übersehen. Die Stute hatte sichtlich Angst vor der Berührung.

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Nun ging es in der Yard selbst weiter. Dani näherte sich Lumina wieder langsam und mit Bedacht. Am Ende streckte Lumina ihr sogar ihre Nase entgegen und um ein Haar hätte die erste Berührung stattgefunden, wenn nicht in diesem besonderen Moment ein lauter Laster an der nahegelegenen Straße vorbeitgebrettert gekommen wäre.

Wir wollten Lumina zeigen, dass Berührung nichts Schlimmes ist und sogar angenehm sein kann. Wie bei Planeto, der sich ebenfalls vor dem Erstkontakt gescheut hatte, wollten wir Lumina im schmalen Treibgang der Yard mit der Berührung vertraut machen.

Dani’s Annäherung erfolgte langsam, aber nicht schleichend, von hinten an die Stute heran, um sie wenn nötig eher nach vorne als nach hinten zu treiben. Lumina war vor Aufregung an manchen Stellen nassgeschwitzt. Mit dem Stick ließ sie sich von Dani berühren, es folgte die Berührung mit der Hand über das oberste Brett des Ganges.

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Danach versuchten wir es nacheinander ganz in Ruhe. Wichtig dabei war, nicht zu zaghaft zu streicheln und bestimmt mit der Handfläche über das Fell zu gleiten, damit das Pferd nicht Sorge haben muss, dass noch etwas „Schlimmes“ nachkommt. Als Lumina das erste mal in meiner Streicheleinheit abkaute, hörte ich auf und ich entfernte mich von ihr als Belohnung. Abschließend erhielt Lumina noch etwas Heu.

Es war jetzt 19 Uhr und so beeilten wir uns, um noch kurz nach Yappa, Planeto und Topaz zu sehen. Planeto hatte ein paar kleine Schrammen, doch keiner der drei lahmte. Alles war gut. Eine halbe Stunde später kamen wir auf der Farm an. Doro und die beiden Farmhelfer hatten bereits zu kochen angefangen, so dass wir um ca. 20.15 Uhr gemeinsam essen konnten. Nach einer erfrischenden Dusche machte ich mich auf den Weg ins Bett.

 Ein besonderes Erlebnis – Wer zu wem

Um 8.00 Uhr morgens machten wir uns wieder auf zu Yappa, Planeto und Topaz. Schon jetzt war es jetzt schon spürbar wärmer als die Tage zuvor. Als wir mit dem Auto in den Koppelbereich fuhren, kam und das Trio schon entgegen. Kurz davor lag Yappa noch ruhend am Boden. Ein gutes Zeichen. Mit einem kleinen Frühstück lockten wir sie näher zu uns her.

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Während jedes der drei Pferde bei einem von uns fraß, legte ich Yappa vorsichtig das Knotenhalfter an. Yappa lebt die meiste Zeit des Jahres ebenfalls frei und in wildpferdeähnlichen Verhältnissen. Daher lässt er sich nicht immer gern und gleich ein Halfter ummachen. Julia halfterte Topaz ohne Probleme. Mit den drei Pferden bewegten wir uns Richtung Yard. Planeto lief frei, Yappa und Topaz liefen am Seil mit. Das erste Ziel war es, Planeto allein in die Yard zu bekommen. Das war nicht allzu schwer, denn er lief das letzte Drittel voraus, so dass es ein Leichtes war, ihn den restlichen Weg in die Yard zu schicken.

Der am Vortag beim Zusmannetreffen mit Yappa so wilde Junghengst war wohl über Nacht von Yappa erzogen worden. 😉 Er war erstaunlich aufmerksam und zugänglich. Dani übte mit ihm das Folgen in Liberty. Danach versuchte sich Sonja an Planeto. Für das Rückwärtsschicken mit leicht quergehaltenem Stick reichten feinste Signale. Auch das Folgen klappte wunderbar wie auchPutzen und Halftern.

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Bei der Arbeit mit dem Pferden sind Pausen immer wieder ein wichtiges Belohnungselement. In dieser Zeit wird das Gelernte vom Kurzzeitspeicher in den Langzeitspeicher übertragen. Verliert das Pferd die Aufmerksamkeit oder entspannt sich zunehmend, was z. B. durch Abkauen sichtbar ist, geht es wieder weiter.

Auf dem freien Feld übten Julia und ich mit Topaz und Yappa Liberty. Schon nach kurzer Zeit folgte bei Topaz der nächste Schritt, zur Vorbereitung auf das Reiten: Sie lernte nach anfänglicher Aufregung völlig entspannt das gegurtete Barebackpad zu tragen! Yappa erweiterte seine Kenntnisse um das „Folge mir“ im Trab.

Nach getaner „Arbeit“ bekam Yappa im Anschluss noch eine schöne Pediküre von unserer Hufpflergin Barbara – eine körperliche Höchstleistung bei diesen Temperaturen.  Für Yappa war es ebenfalls eine tolle Leistung, wenn man bedenkt, dass er als überwiegend wildlebendes Pferd seine Hufe höchst sporadisch auf einem Hufbock abstellen muss.

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Bei der Hitze ging es am Nachmittag zur Abkühlung zum Black Head Beach. Ein wirklich schöner Strand mit toller Aussicht. Für mich war das ein neues Erlebnis: Die tolle Aussicht auf das Meer, das Rauschen der brandenden Wellen, der Sog des Meeres, der einem den Sand unter den Sohlen förmlich „wegsaugt“, die Kraft der Wellen am eigenen Leib zu spüren, der warme Wind, der feine Sand, die verschiedenen Muscheln und Korallenstücke, die jede Welle aus dem Meer mitbrachte um sie teilweise auch gleich wieder ins Meer mitzunehmen.

In einem Moment standen wir zu dritt vor dem Meer und sahen in die Ferne. Kurz vorher waren die Wellen sichtbar höher und stärker geworden. Wie aus dem Nichts tauchte eine Finne an der Wasseroberfläche auf, und dann noch eine. Und ehe wir uns versahen, spielte direkt vor uns eine Gruppe von mindestens sieben Delfinen in den Wellen auf! Gebannt standen wir voller Überraschung und Freude am Strand und beobachteten diese wundervollen Tiere. Sie machten uns ein atemberaubendes Geschenk als etwa vier Tiere in einer Welle frontal auf uns zu surften. Es war ein wunderschönes Erlebnis, bei dem ich Gänsehaut bekam.

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Nach diesem herrlichen Ausflug besuchten wir wieder die Stute Lumina. Wir wollten die Distanz zu ihr weiter verringern und sie war weitaus entspannter in unserer Nähe. Wieder zeigten wir ihr, dass Berührung etwas Schönes sein kann. Durch Schnauben, Kauen und Absenken des Kopfes zeigte sie uns, wie ihre Anspannung abfiel. Das war ein guter Moment, um sie mit der Weide und ihrem Päckchen Heu zu belohnen.

Am Abend legten wir mit Hilfe unseres Gefühls fest, mit welchen Pferden jede von uns gern weiterarbeiten wollen würde. Jeweils zwei Pferde sollten wir Dani nennen. Die ersten Paare waren gleich gefunden: Barbara wählte die kleine Lakida, Lumina war Sonjas Nr. 1, Topaz hatte es Julia angetan und ich entschied mit für Yappa. Die „Zweitpferde“ standen zu dem Zeitpunkt noch nicht bei allen sicher fest: Lumina wurde mehrfach genannt, Lakota, Halley und Planeto wurden ebenfalls nominiert.

 Indiana Jones

Dieser Tag begann bei dem Trio Yappa, Topaz und Planeto, da es hier morgens noch am angenehmsten und noch etwas Schatten vorhanden war. Nachdem Dani Planeto Liberty in ein Abteil der Yard gebracht hatte, steckten wir daneben noch ein Stück Koppel als weiteren Arbeitsbereich für die beiden anderen Pferde ab.

Die am Vorabend getroffene Entscheidung zu den pferdischen Partnern wurde ab sofort umgesetzt: Yappa und ich machten den Anfang und übten uns in Liberty. Zu Beginn fühlte ich mich aus mehreren Gründen sehr unsicher war innerlich angespannt, was sich auch in meiner Körpersprache äußerte. Ich machte mir einfach zu viele Gedanken, wollte alles gleich richtig machen, war vorsichtig, da es ein fremdes Pferd war und Stand im Mittelpunkt, beobachtet von anderen Menschen, was ich normal tunlichst vermeide. Mein Kopf unterdrückte mein Gefühl, was mich in der Arbeit mit Yappa in dem Moment noch behinderte.

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Wenn ich einen Fehler machte und diesen selbst bemerkte oder der von Dani korrigiert wurde, ärgerte ich mich sehr darüber, dass ich ihn leider gemacht hatte. Fehler dürfen passieren und es ist ja bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen. Deshalb war ich ja hier, um es in der Praxis richtig zu lernen und dazu gehören auch Fehler. Hier denkt man sich am besten „egal, passiert“ und macht gleich weiter, bevor man sich danach in der weiteren Arbeit lange damit beschäftigt. Danach ging es gleich besser. 🙂

Nach ein paar Bahnen am Seil meinte Dani, wir könnten das Seil abmachen und mit der Freiarbeit weitermachen. Gesagt, getan und Yappa folgte mir wie zuvor am Seil. Wir machten eine neue Übung, die Indiana-Jones-Übung. Der Name der Übung ist abgeleitet von der Abenteuerfilmreihe „Indiana Jones“ mit Harrison Ford, der darin den abenteuerlustigen Archäologen mit Hut und Peitsche spielt (Bezug zum Schwingen der Peitsche).

Ich ließ mich von Yappa zu einer Ecke des eingezäunten Bereichs bringen bzw. folgte er mir bis dorthin, dann löste ich die Bauchnabel-Nüstern-Verbindung, entfernte mich aus dem Bereich und überließ Yappa kurze Zeit sich selbst. An einer anderen Seite trat ich wieder ein und rief zunächst nach Yappa. Die ersten paar Male kam er nicht auf Zuruf. So begann ich mit losgelassenem Seilchen den Stick über meinem Kopf zu schwingen, so dass das Seilchen gestreckt flog und bewegte mich gezielt direkt auf Yappa’s Hinterhand zu, bis er mich ansah und auf mich zukam. Sobald er das tat, fing ich das Seilchen wieder ein und lud ihn ein, wieder mit mir zu kommen. Am Ende der Übung kam er schon auf Zuruf zu mir – einfach schön. 🙂

Danach übten wir noch das Kopfabsenken im „Folge mir“ und schlossen dies mit einer langen Pause ab.

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Im Anschluss widmete sich Dani dem Junghengst Planeto mit dem Thema Aufhalftern. Nachdem das am Vortag in relativ kurzer Zeit möglich war, forderte er es diesmal ziemlich heraus. Sie begann wie am Vortag mit viel Kraulen und Streicheln entweder mit den bloßen Händen oder mit Bürste. Im nächsten Schritt folgte das Kraulen und Streicheln mit dem Knotenhalfter am Hals, das zunächst noch möglichst klein zusammengepackt war um Planeto daran zu gewöhnen.

Mit der Zeit ließ sie das Knotenhalfer immer großflächiger werden, bis es schließlich an der Hand herunterbaumelte um kraulte den Hengst weiter. Nachdem er die Zeit über ruhig geblieben war, berührerte Dani ihn damit nun mit dem baumelnden Halfter überall am Körper – vom Kopf bis zum Hintern – um Planeto zu zeigen, dass davon keine Gefahr ausging. Das nächste Ziel bestand nun aus demschrittweisen Anlegen des Halfters und als sich Planeto das Halfter anlegen hat lassen, bekam er sofort eine Pause.

Julia und Topaz starteten ähnlich wie Yappa und ich mit Liberty. Als Vorübung für das Aufsitzen bzw. Reiten begann Julia Topaz das Bareback-Pad auf den Rücken zu legen und über den Rücken zu streichen. Nachdem Topaz dies akzeptierte, ging es darum, dass sich Topaz dabei noch mehr entspannte. (Im ersten Schritt an der Desensibilierung arbeiten, im zweiten an der Entspannung). Es folgten: Bauchgurt anlegen, Bauchgurt leicht anziehen, Bauchgurt gurten, mit gegurtetem Pad ein paar Schritte gehen, damit sich das Pferd an das Gefühl gewöhnt und sich z. B. wieder entspannen kann.

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Die Stute war bei allen Teilschritten total relaxt. Die nächste Übung war nun das Stillstehen beim Aufsteigen. Dafür stellten Dani und Julia Topaz seitlich an eine Zaunseite der Yard, den Julia Brett für Brett erklomm. Jedesmal, wenn sich die Stute in der jeweiligen Situation entspannte, bekam sie Krauleinheiten von Julia. Im Anschluss lehnte sich Julia mit dem Oberkörper leicht immer ein Stück mehr über Topaz‘ Rücken, immer verbunden mit Rückzug und Pausen.

Das über den Rücken legen, war der nächste Schritt. Mittels Räuberleiter lehnte sich Julia wieder immer ein Stück mehr über Topaz’s Rücken, um sie an immer mehr Gewicht zu gewöhnen. Zuletzt wanderte Julia mit einem Bein immer weiter über den Rücken der Stute, bis sie schließlich auf ihr saß. Für die zwanzigjährige überwiegend wild lebende Zuchtstute, die bisher noch nie geritten wurde eine bemerkenswerte Vertrauens-Leistung.

Nach diesem tollen Ergebnis war Planeto nun wieder an der Reihe: Nach dem Aufhalftern konnte ihn Dani dazu bringen, einem Gefühl zu folgen und er machte brav mit.

Beim Geschwisterpaar Halley und Lakida sowie Onkel Lakota angekommen, gab es erstmal wieder eine Ladung Streicheleinheiten mit Fingernägeln und Bürste. Bei Fohlen und jungen Pferden empfielt sich eine Aufteilung von 2/3 Schmusen, Kraulen und einfach nur zusammen sein und 1/3 konzentriertem Arbeiten.

Danach bekam der große Onkel eine Pediküre von Barbara verpasst. Lakota stand ganz ruhig und so waren die vier Hufe im Nu gemacht.

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Mit dem Fohlengriff konnte Barbara Lakida bewegen und gemeinsam konnten wir schon ihre Hufe aufheben. Der Fohlengriff dient dazu, Fohlen zu führen bzw. dirigieren, da ein Halfter die noch zerbrechlichen Wirbel zu scharf wäre. Dabei wird ein dickes Seil am Hals angelegt und fasst das Fohlen oben an der Schweifrübe. Mit dem Seil wird das Fohlen nach vorne oder rückwärts gesteuert. Mit leichtem Gegendruck durch das Becken kann man das Fohlen seitlich weichen lassen.

Die Pferde haben heute so toll mitgemacht und ich war am Abend innerlich tief berührt über meine eigenen und die Erlebnisse der anderen mit den Pferden.

Abschied

Der heutige Tag begann zunächst mit einem Abschied. Doro, eine Freundin von Kevin aus Sydney, die mit uns zusammen auf die Farm gekommen war und uns die letzen Tage begleitet hatte, musste leider schon wieder abreisen. Wir durften sie einige Tage kennenlernen und sie war eine angenehme lustige Begleiterin. Es war ein trauriger Start in den Tag, da wir sie gern noch bis zum Ende bei uns gehabt hätten.

So zogen wir also mit gemischten Gefühlen los zu Yappa, Planeto und Topaz. Während Planeto heute auf dem Zuschauerplatz saß, durften Yappa und ich unsere Liberty vertiefen. Wir beide übten uns wieder am Indiana Jones-Spiel und arbeiteten daraus den Unterschied zwischen „Pferd soll auf mich warten“ und „Pferd ist sich selbst überlassen“ deutlicher heraus.

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Bei „Pferd soll auf mich warten“ bewege ich mich um das Pferd herum bzw. entferne mich über seine Hinterhand nach hinten weg und komme nach einer gewissen Zeitspanne wieder zu ihm zurück. Das Pferd hält hierbei die gesamte Zeit vom Entfernen bis zum Zurückkehren die Aufmerksamkeit beim Menschen. Beim Indiana Jones-Spiel überlasse ich dem Pferd eine kurze Zeit sich selbst. Es darf in dieser Zeit tun, was es will und muss auch nicht seine Aufmerksamkeit auf den Menschen richten. Rufe ich es nach dieser „freien“ Zeit wieder ab, soll das Pferd wieder aufmerksam bei mir sein.

Weiter arbeiteten Yappa und ich an der Entspannung im Vorwärts und Rückwärts, indem wir beide immer dann eine Pause machten, wenn der Yappa seinen Kopf ein Stück tiefer als zuvor absenkte.

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Danach begegneten sich Topaz und Julia – zunächst ebenfalls in der Liberty, später mit weiteren (Vor-)Übungen aus dem Bereich des Reitens. Topaz gestattete erneut das Pad aufzulegen und ließ verschiedene Formen des Aufsteigens zu. Sie gestattete auch mehrfach wenige Schritte mit Julia auf ihrem Rücken. Als die beiden sich in Bewegung setzten, rutschte das Pad etwas nach hinten bzw. wurde Topaz der Bauchgurt etwas unheimlich. Sie buckelte los. Julia schaffte es sicher abzuspringen und blieb unversehrt.

Leider verbrannte sich Dani dabei die Handinnenfläche/Fingerflächen, da sie entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit einmal nicht ihre Handschuhe an hatte. Da Dani Julias Wohl im Blick hatte, ließ sie den Strick während Topaz‘ Buckelaktion nicht los. So fuhren wir erstmal zurück zur Farm. Im Verlauf des Tages konnte sie sich glücklicherweise gut erholen.

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Nach Zwischenstopp auf der Farm, ging es nachmittags weiter zu den Fohlen und Lakota. Die kleine Lakida und Barbara übten sich zunächst wieder den Fohlengriff, gefolgt vom Aufhalftern und Vorderhufe anheben. Auch mit Lakidas großer Schwester Halley startete Barbara nach Liberty mit ihr mit Hufe geben. So konnten bereits Zange und Raspel zum Kürzen der Zehen zum Einsatz kommen.

Zum Anheben der Vorderbeine empfielt es sich, den Pferdekopf in die entgegengesetzte Richtung zu führen, damit das betreffende Vorderbein entlastet wird und damit leichter angehoben werden kann. Beide Youngster wurden bei einem positiven Fortschritt direkt mit ausgiebigem Krauleinheiten belohnt. Lakota erhielt von Sonja einfach viel positive Zuwendung während ihres Beisammenseins ohne jegliche Erwartungen.

Um ca. 15 Uhr waren wir wieder zurück auf der Farm um uns kurz auszuruhen. Nach dieser Ruhepause hatte ich nach einem berührenden Lied im Radio irgendwie mit mir zu kämpfen und war etwas melancholisch. Mit Sonja machte ich mich zu Fuß auf den Weg zu Lumina. Auf der Koppel sitzend, ohne Erwartungen an sie führte ich ein schmerzliches, aber schönes Gespräch mit Sonja über meine Person, meine Vergangenheit und Gefühle.

Während unseres Aufenthalts auf der Koppel, kam Lumina zeitweise bis auf einen Radius von 10 – 15 m an uns heran – sie wusste genau, dass es nicht um sie bzw. Erwartungen von uns an sie ging und war dabei auch total entspannt. Als es zu Dämmern begann machten wir uns auf den Rückweg zur Farm. Dort angekommen, kümmerten wir uns alle um das Abendessen.

 Jenny – Pferde – Strand

Heute morgen starteten wir etwas früher als sonst und fuhren zu Jenny, einer rüstigen 70jährigen herzlichen Frau, die eine Art Auffangstation für Tiere verschiedenster Art hat. So zieht sie beispielsweise verwaiste Kälbchen mit Ammenkühen oder kleine Kängurus groß und beherbergt etliche Pferde, Enten, Gänse, Hühner, Hunde etc. auf dem Terrain rund um ihr Haus.

Sie zeigte uns die aufzuziehenden Kälbchen, ihre beiden Ammenkühe dafür, die sie kurz danach in ein kleineres Areal zu den Kälbchen trieb und welche sich auch sogleich auf das Euter stürzten und zu saugen begannen. Nach einer Weile ließ sie eine der beiden Kühe wieder auf die Weide, die andere behielt sie bei sich und molk noch einen dreiviertelten verzinkten Eimer Milch ab. Danach ließ sie die Kuh wieder von dannen ziehen. Früher arbeitete Jenny als Melkerin und schaffte pro Stunde 10 Kühe händisch zu melken, erzählte sie uns.

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Sie lud uns in ihr Haus ein. In der Küche lebten zwei Mitbewohner: Auf der Querstrebe eines Tisches saß eine Eule der Art „Frogmouth“ (Froschmaul), die sich mit etwas Vorsicht auch streicheln ließ. In einem Käfig links daneben saß eine weitere Eule, die dauerhaft bei Jenny lebt. Sie leidet an einer Krankheit bei der sie immer wieder ihr Federkleid verliert. Würde sie in Freiheit ihr Gefieder verlieren, würde sie erfrieren. Jenny war so nett und zeigte uns auch ein paar Bilder von ihrer Familie und aus den Pferde-Erlebnissen ihrer Jugend samt den gewonnen Preisen bei Wettbewerben.

Danach deutete sie auf ein Stück Baumstamm seitlich vor Ihrem Hauseingang. Zunächst fiel mir nichts besonderes auf, aber als sie uns erzählte, dass dieser Bienen beheimatete, fielen mir diese auch auf. Es waren ganz ganz winzig kleine Bienen, höchstens von der Größe einer Eintagsfliege, die dort eifrig ein und aus gingen und fleißig ihren Honig produzierten. Jenny hatte dieses Stück Holz geschenkt bekommen und ihn kurze Zeit an seinem aktuellen Standort stehen lassen. Was sie nicht wusste war, dass diese Bienen ihrem Zuhause nachziehen und seither hat sie ihr eigenes Bienenvolk vor der Haustür.

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Zum Abschluss machte sie mit uns noch eine kleine Offroad-Spritztour mit ihrem Geländewagen über die Weiden, was sehr zuvorkommend von ihr war, denn mit der Milch ihrer Ammenkühe und etwas selbst angebautem Gemüse bestreitet die Rentnerin ihren Lebensunterhalt und den ihrer anvertrauten Tiere und bezahlt davon eben auch den Kraftstoff für ihr Auto.

Wir fuhren an mehreren Kleingruppen von Pferden vorbei zu denen uns Jenny jeweils eine kleine Geschichte erzählte. Auch eine Schafherde lebte auf dem Areal. Als wir uns mit dem Geländewagen näherten, setzte sich diese nacheinander in Bewegung bis auf ein Einzeltier, das leblos am Boden liegend zurückblieb, als sich die Herde schon in sicherer Entfernung schon wieder platziert hatte. Wir befürchteten das Schlimmste. Jenny hielt an, um nach dem Tier zu sehen. Auf halber Strecke erwachte das Schaf aus seinem Dornröschenschlaf, sprang auf und machte schnell die Düse in Richtung seiner Artgenossen. Es hatte also nur tief und fest geschlafen. 🙂

Auf dem Rückweg gab Jenny noch einmal Gas. Zurück beim Wohnhaus nahmen wir noch etwas Milch und Gemüse mit und verabschiedeten uns von Jenny, die in ihrem Alter Kevin noch beim Kastrieren der Kälber hilft. Mit guter Laune machten wir uns nach einem kurzen Zwischenstopp auf der Farm und einem kleine Happen Essen weiter auf den Weg zu Yappa, Topaz und Planeto.

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Etwas war heute anders: Yappa ließ sich heute von mir aufhalftern ohne sich beim Anblick des Halfters wie bisher mit angelegten Ohren wieder von mir zu entfernen, ein schönes Gefühl. Dani konnte heute bereits wieder ihre Hand benutzen und begann mit Planeto die ersten Libertyansätze zu vertiefen.

Topaz und Julia zeigten abermals ihre starke Verbindung in der Liberty z. B. beim Indiana-Jones-Spiel und so kam es, dass beide auch nach der getanen „Arbeit“ im Schatten gemeinsam ein Päuschen machten und Topaz sich völlig tiefenentspannt nahezu in Julias Schoß wog und die Krauleinheiten sichtlich genoss.

Yappa und ich arbeiteten heute ebenfalls weiter Liberty: Beim Folgen im Schritt konnte er sich wieder ein Stück mehr entspannen und folgte mir oft mit abgesenktem Kopf. Auch das Indiana-Jones-Spiel klappte besser als am Vortag – Yappa war aufmerksam bei mir und kam auf Abruf. Selbst als in einiger Entfernung ein Helikopter seine Runden zog und Yappa’s Aufmerksamkeit zu Schwinden drohte, konnte ich ihn wieder auf mich fixieren und er folgte mir als Krönung im flottem Trab.

Ein grooooßes Geschenk von ihm, wenn man bedenkt, dass er als Araber-Quarter-Kaltblut-Mix eher zu gemütlichen Sorte zählt, er vor einigen Tagen in eine neue Herde mit einem Hengst gekommen und normalerweise der Herdenchef ist und zudem wir uns erst seit einigen Tagen kennen.

Lumina, die wilde ängstliche Stute machte heute intensive Bekanntschaft mit direktem Kontakt durch die menschliche Hand. In der zweiten Stufe und in Vorbereitung auf das Aufhalftern zeigten Dani, Sonja und Barbara, dass die Berührung mit dem Halfter ebenfalls nichts Schlimmes ist.

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Tag für Tag verstärkte sich bisher mein (Bauch-)Gefühl und ich machte mir in der jeweiligen Situation weniger Gedanken, wodurch die Resultate mit Yappa immer besser wurden. Weniger ist doch oft mehr … und alles was uns die Wildpferde zurückgeben, sei es noch so ein kleiner positiver Fortschritt, betrachteten wir als Geschenk.

Es ist wirklich wirklich erstaunlich, was uns diese Wesen schenken und welche Fortschritte sie in kürzester Zeit erzielen, wenn sie richtig und ihrer Entwicklung ensprechend behandelt werden. Oft genug ist der Weg sehr mühsam, Pferde mit Menschenproblemen und Menschen mit Pferdeproblemen wieder auf Kurs zu bringen.

Den Nachmittag verbrachten wir alle am Stadt-Strand von Forster und gönnten auch uns nach den tollen Ergebnissen mit den Pferden eine kleine Verschnaufpause. Gemeinsam mit Dani versuchte ich als Greenhorn mit meinem Surfboard auf den Wellen zurück an zu gleiten.  Dabei fing ich mir einige kostenfreie Salzwasser-Nasenspülungen ein  und wurde mehr von den Wellen durchgespült, weil ich mein Timing nicht ganz passte. Aber lustig war es trotzdem und für mich eine neue Erfahrung.

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Zurück auf der Farm blieb noch genug Zeit um gemeinsam mit Sonja eine Trockenübungs-Einheit mit Stick und Seilchen zu machen, um im Umgang damit sicherer und gezielter zu werden. Auf der Suche nach dem geeigneten Übungsobjekt trafen wir immer wieder auf grasende Wallabys.

Abends, als es schon dunkel, der Mond aber noch nicht voll aufgegangen war, gab mir Kevin noch eine kleine Übersicht am australischen Sternenhimmel. Es war eine der sternenklarsten Nächte des Jahres und in diesem Zeitfenster noch alle Sterne sehr gut sichtbar (steht der Mond hoch oben, verblassen viele Sterne und sind nicht mehr so gut sichtbar). So sahen wir die Milchstraße, eine andere Galaxie, das Kreuz des Südens und den Mars – einfach wunderschön.

Ein Wildling weniger

Heute morgen ging es zunächst zu Lakota und den beiden Mädels Halley und Lakida. Unser erstes Ziel heute war es, mit dem Trio einen kleinen Spaziergang zu machen. Halley ließ sich dank des vorbereitenden Trainings ganz leicht aufhalftern. Sogleich starteten wir auch schon unseren Ausflug in und außerhalb der Weide – Lakota und Sonja voran, Halley und Dani gleich dahinter, Lakida durfte frei mitlaufen.

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Nach kurzer Zeit übernahm Barbara Halley. Immer wenn es ging, führte Barbara Halley neben sich, ansonsten nahm Barbara wieder die Ausgangsposition rückwärtslaufend vor dem Pferd ein. Das war nicht ganz einfach, weil das Ganze am steilen Hang mit dichten Grasbüscheln und anderen Stolperfallen statt fand, aber beide meisterten es gut. Wir passierten zwei Tore (=Engpass für das Pferd), durch die Halley ohne Panik ging und erklommen den vor uns liegenden großen Hügel. Oben angekommen machten wir auch gleich eine Kraulpause, als Belohnung für Halleys anständiges Verhalten. Da sie so super mitgearbeitet hatte, machten wir auch schon wieder kehrt.

Als Barbara mit Halley auf direktem Weg in einer Gerade den Hügel nach unten wanderte, begann sie aufmüpfig und unruhig zu werden. Nach dem Wechsel in ein schlangenlinienartiges Bergab, wie Wildpferde Abhänge normalerweise bewältigen, wurde sie sogleich auch wieder ruhiger. Das letzte Stück gingen Halley und Barabara sogar vor Onkel Lakota voran, sie folgte brav. Unten angekommen, passierte Halley die beiden Engpässe (Tore) wieder ohne Panik, ganz in Ruhe. Nach diesem Ausflug erhielt Halley den Status „offiziell gezähmt“.

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Wieder zurück hatten wir den gewaltigen Hufbock rausgeholt, vor dem so einige Pferde zu hause wahrscheinlich geflüchtet wären. Halley hatte brav den Huf auf dem Bock abgestellt, und Barbara konnte sie raspeln ohne den Huf festhalten zu müssen, sie stand ganz allein. Zuletzt trainierten wir noch das Anheben der Hinterhufe als nächstes Zwischenziel.

Die Berührung mit dem Stick an den Hinterbeinen war der erste Schritt, gefolgt vom zweiten Schritt, dem Berühren der Hinterhand bzw. der Hinterbeine mit der Hand. Nach leichtem Anheben bzw. Antippen des Beines hob Halley das jeweilige Bein an. Der nächste Schritt war das Anheben des Beines für einen längeren Zeitraum. Das Aufhalten war durch Halleys Balanceprobleme etwas wackelig und mit ein paar Hüpfern verbunden. Nachdem Halley nach dem Anheben das Bein ein paar Sekunden ruhig gehalten hatte, hatte sich die junge Dame eine Pause redlich verdient, nach der sie auch sogleich in die Freiheit entlassen wurde.

Lakida bekam ebenfalls eine Fußpediküre, die sie ganz brav meisterte – sie war total entspannt, so als würde sie das Prozedere jeden Tag erleben. Julia hatte sie in den Fohlengriff genommen, damit Barbara an den Hufen arbeiten konnte. Sonja übte sich währenddessen mit Lakota in Liberty.

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Nachdem wir alle Pferde wieder in die Freiheit entlassen hatten, ging es auf zu Lumina. Das Tagesziel war, das Anlegen eines Halfters um sie händeln zu können und ihr in unserer verbleibenden Zeit vielleicht auch noch eine dringend notwendige Wurmkur verabreichen zu können. Wir hatten dabei Hilfe von Kevin, da er aufgrund seiner Erfahrung in der Rinderarbeit Ruhe ausstrahlte und mit weniger Emotionen an die Sache heranging.

Das Abstreichen mit dem Halfter über Widerrist, Rücken und Hals konnte sie aushalten. Sobald das Halfter aber in Richtung Ohren und Kopf wanderte, wurde sie unruhig, drängte rückwärts oder stieg. Dani versuchte weiter Lumina zu zeigen, die Berührung mit dem Halfter auch im Hals-/Kopfbereich auszuhalten.

Im weiteren Verlauf arbeiteten wir mit einem Seil, das in einer Schlaufe um Luminas Ganaschen gelegt wurde, um sie in eine bestimmte Richtung weisen zu können. Immer wenn sich Lumina ruhig verhielt und die Berührung in den gewünschten Regionen mit und ohne Halfter aushielt, bekam sie ganz viele Streichel-/Krauleinheiten. Schließlich gelang es Dani ein Stallhalfter anzulegen. Ein Knotenhalfter wäre zu gefährlich, falls sie irgendwo hängen bleiben würde, würde das nicht so schnell reißen wie das Stallhalfter.

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Das war sicher ein grenzwertiges, haariges Unterfangen und für alle Beteiligten nicht ganz ungefährlich, aber letztendlich ist es zum aktuellen Zeitpunkt Luminas einzigste Chance, auf der Farm bleiben zu können – sie sollte einfach nach unserer Abreise irgendwie händelbar sein, damit sie im Ernstfall medizinisch versorgt werden kann oder einfach nur von A nach B gebracht werden kann.

Wir fuhren zurück zur Farm. Die Mittagsstunden verbrachte jede wie sie wollte. Sonja verbrachte sie bei Lumina, die mehrmals bis auf ganz wenige Meter an sie heran kam, einfach weil sie völlig ohne Anspruch bei ihr im Gras gelegen hatte.

Machst du das eigentlich auch bei deinem (Pflege-)Pferd? Mal ohne Erwartungen oder ohne Vorhaben zum Pferd zu gehen und einfach nur mal so (Beziehungs-)Zeit mit ihm zu verbringen?

Nachmittags zogen wir erst um 16.30 Uhr los, weil es unerträglich heiß war und es sich später endlich zuzog, was etwas Abkühlung versprach. Die nachfolgende Schwüle jedoch erschwerte uns die Arbeit mit den Pferden.

Umso schöner war es, daß Topaz mit Julia mehrmals Liberty trabte und einige Male fast im Galopp ansprang, um schnell wieder bei ihr zu sein. Die beiden spielten einmal „Indiana-Jones“ und „Steh, warte, komm zu mir“. Bei letzterem Spiel stellt man das Pferd ab, löst die Verbindung und entfernt sich seitlich nach hinten vom Pferd. Das Pferd darf sich in die Richtung in die man sich entfernt auf der Stelle mitdrehen oder auch etwas rückwärts gehen (grüner Fehler), jedoch keine Tendenz nach vorne haben (roter Fehler).

Um es bei Vorwärtsdrang zu korrigieren, hält man seinen Stick vorne am Pferd in Richtung Brust um es wieder an seinen Ursprungsplatz zu schicken Wenn es das Pferd schon fast nicht mehr aushält zu warten, dann lädt man das Pferd ein herzukommen, indem man den Stick nach hinten nimmt (= … und jetzt darfst du zu mir kommen). Das Pferd wird sozusagen wie eine Sprungfeder mit Energie aufgeladen und kann daraus auch höhere Geschwindigkeiten erzielen, da das Pferd das starke Verlangen hat schnell wieder bei seinem Menschen sein zu wollen.

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Ich hatte mich für heute entschieden, eine Reiteinheit mit Yappa zu versuchen. Dani wies mit in die richtige Haltung der beiden kleinen Sticks mit der Zügelführung ein. Beim Aufsteigen galt es, die beiden Reitsticks so ruhig wie möglich zu halten, um Yappa damit kein Signal zu geben. Das Nachgeben am Halfter nach unten kam als nächstes, gefolgt vom Antreten durch tiefes Einatmen und leichtem Schenkeldruck, wenn das Einatmen alleine nicht ausreichte. Die Sticks hielt ich dabei leicht nach hinten.

Für den Rückwärtsgang hielt ich die Sticks leicht nach vorne verbunden mit dem akustischem Signal „ssss“ für das Rückwärtsgehen. Reichte das nicht aus, tippte ich Yappa mit beiden Sticks gleichzeitig leicht an der Schulter an. Ich konnte Yappa, der in seinem Leben bisher nur ein paar Mal in seinem Leben geritten worden war, sogar einige Schritte mit gesenktem Kopf reiten. Es war bemerkenswert mit welch geringer Intensität bei den Hilfen Yappa reagierte, als ich den Dreh raus hatte und eine schöne Erfahrung für mich, denn im Allgemeinem macht man meist viel zu viel Druck am Pferd als überhaupt nicht nötig wäre.

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Topaz bekam vor der Dämmerung noch schnell eine Pediküre. Eine völlig neue Erfahrung für sie, die sie souverän meisterte. Sie stellte sogar ihre Hufe auf dem für sie recht hohen Bock ab, was ihr körperlich sicher einigermaßen schwer gefallen war. Topaz ist jetzt über 20 Jahre und in dieser Zeit wurden ihre Hufe keine zehn mal ausgeschnitten. Barbara hatte bei diesen guten Voraussetzungen leichtes Spiel und Schwuppdiewupp war Topaz auch schon wieder fertig.

Planeto übte heute mit Dani Beine anheben, dabei konnte sie die Vorderhufe sogar feilen ohne ihn am Seil zu haben. Das gelang sehr gut, weil Julia ihn vorn mit dem Gummistriegel beschäftitgte. Planeto möchte immer gern Fellpflege zurück geben, weshalb wir ihm eine Bürste anboten, bevor einem ein Stück von der Hose fehlen würde.

Ein ereignisreicher Tag

Unser Tag begann bei Lumina. Wir überlegten hin und her, wie wir es wohl schaffen würden, sie mit möglichst wenig Druck, Angst und schlechtem Gefühl dem Menschen gegenüber an einen Strick am Halfter zu gewöhnen. Schlussendlich wurde es „The Australian Way“, welcher uns von Kevin als Vorschlag mitgegeben wurde.

Dies mag zuerst befremdlich klingen, weil es doch gefährlich sein kann, wenn sie auf den Strick tritt. Jedoch hat das Pferd selbst dann den Druck in ‚den Hufen‘ und reißt nicht einen Menschen mit sich, der sich wenn sie los rennt voll dagegenlehnen muss und die Pferde dabei sehr oft hinfallen oder auch der Mensch sich böse verletzen kann.

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Sonja gab Lumina zunächst die Möglichkeit sich in der Yard anzunähern und ihr so den Strick an das Halfter anzulegen. Lumina ließ Sonja jedoch nicht so nah heran. So ging es in der Yard weiter und Lumina lief beinahe wie selbstverständlich in den Engpass der Yard hinein. Dort war es Dani möglich, ihr den Führstrick an das Halfter anzubringen. Gleich danach wurde das Tor vom Engpass in die Yard geöffnet. Nach anfänglichem davonlaufen vor der Halfterschlange hatte sich Lumina mit ihrer Situation befasst und genau festgestellt, wie sie Kopf und Körper koordinieren kann, damit sie nicht in Bedrängnis kommt.

Ein interessantes Erlebnis für uns alle und wohl die sanfteste Methode, die wir bei diesem kämpferischen Wildfang hätten anwenden können. Hinzu kommt, dass sie mit dem Druck nicht den Menschen in Verbindung bringt , im Gegenteil, Sonja hatte sie zurück im Engpass schlussendlich wieder davon „befreit“.

Während wir Zeit bei Lumina verbrachten, entdeckte Sonja eine Wasserschildkröte, die in ein Loch gefallen war aus dem sie sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien konnte. Wir retteten sie aus dem Loch und brachten sie zum nahegelegenen Bach.

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Gleich anschließend ging es zu Topaz, Planeto und Yappa. Gemeinsam mit Dani übte Julia mit Planeto “ Halfter an und abnehmen“ und spielte etwas Liberty. Als es dann um das Beineanheben ging, hatte der Kleine einen hengstigen Moment und wollte wissen, ob die Mädels das Ganze auch ernst meinten… . Zum Schluß hat er sich so prima die Hufe machen lassen, als wäre er schon ein alter Hase darin.

Mit Topaz spielte Julia auch wieder Liberty. Sie schenkte ihr einen schönen flotten Trab beim „Folge mir“  und ein sofortiges Kommen beim Indiana-Jones Spiel nur auf Zuruf ihres Namens. Im Anschluss übten die beiden mit dem Pad und unserem selbstgebastelten „Gitarrensack-Reiter“ ein paar Schritte zu gehen, um ihr nach der letzten Buckelaktion zu zeigen, dass sie sich mit Gewicht auf dem Rücken nicht unbehaglich fühlen muss.

Nach der gestrigen Reiteinheit wollte ich mich heute wieder dem Liberty-Training mit Yappa widmen. Warum? Mein Gefühl sagte es mir, eine Begründung dafür hatte ich nicht. Wie sich herausstellte, war es die richtige Entscheidung.

Yappa schenkte mir heute ein paar Galoppsprünge bei der Liberty, nachdem ich ihn mit Energie aufgezogen hatte. Dieses Mal spielten wir das Spiel „Steh, warte, komm zu mir“ etwas anders: Den Stick hielt ich vor Yappas Brust, gab das akustische Signal für rückwärts „ssss“ und bewegte mich mit Nabel-Nüster-Verbindung kreisförmig auf seine Hinterhand zu. Das Pferd soll sich dabei mitdrehen, darf eine Tendenz nach hinten, jedoch nicht nach vorne haben.

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In dem Moment, als ich merkte, dass Yappa`s Geduld am fast am Ende war und er gleich explodieren würde, lief ich rückwärts bzw. die Nabel-Nüster-Verbindung haltend in einem spitzen Winkel auf seine Hinterhand zu, den Stick hielt ich auch auf der entsprechenden Seite und lief danach weiter rückwärts vor ihm. Solche Übungen mit Energie funktionieren am Anfang der Trainingseinheit am besten, da das Pferd noch frisch ist – entsprechendes Aufwärmen des Pferdes vorausgesetzt.

Dani übernahm den Reit-Part mit Yappa, der heute eine Bockeinlage parat hatte. Dani musste ihm deutlich zeigen, was geht und was nicht. Und auf einmal lief auch alles wieder rund! Nach einer kleinen Mittagspause führte unser Weg weiter zu den Teenies und Lakota.

Barbara arbeitete mit der kleinen Lakida daran, sich am Halfter führen zu lassen und die Hufe zu heben. Sie machte alles wie eine Große, nicht einmal am Seil zog sie. Barbara und ich machten tolle Fortschritte mit Halley. Liberty klappte prima, sogar das Indiana-Jones spielte sie perfekt mit. Zudem lernte Barbara ihr, die ‚Blase‘ zu erkennen und begann das Kommando ‚rückwärts‘ einzuführen.

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Die kleine wilde Maus bekam als Belohnung noch einen lila Ball zum Spielen. Anfangs schnorchelte sie noch ein bisschen, inspizierte ihn aber sogleich mit ihrem Maul. Sonja und Lakota verfeinerten ihre Liberty und genossen Zweisamkeit mit Kraulen und Schmusen.

Spiel, Spaß, Gymnastik

Der heutige Tag begann wieder bei Lumina, um zu sehen, wie es ihr mit dem Strick am Halfter erging. Der Führstrick vom Vortag hatte sich jedoch vom Karabiner gelöst. Damit Lumina nicht dachte „wenn der Strick weg ist, habe ich Ruhe“, beschlossen wir einen weiteren Versuch mit neuem Strick.

Sonja bot ihr zunächst erneut eine freie Begegnung an, doch Lumina unterbrach diese wie bisher bei einer Armlänge Entfernung. Eine vollständige Annäherung im freien Felde war zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht möglich. Man merkte aber, dass sie selbst mit sich kämpfte und auch durchaus Interesse am Kontakt zu haben schien.

Sie wählte am Ende fast ohne Widerstand den Gang in die Yard und konnte dort Krauleinheiten für sich genießen. Sogar Berührungen an Kopf/ Backe ließ sie mittlerweile recht entspannt zu. Sie spannte sich nicht mehr an und schwitzte auch nicht mehr dabei. Sie ließ sich auch am Halfter anfassen und folgte dem Gefühl, wenn man ihren Kopf in die entsprechende Richtung führte. Das Einklinken das neuen Stricks in den unteren Halfterring klappte daher auch problemlos.

Es waren bisher kleine Fortschritte, aber es veränderte sich etwas bei ihr. Sie wußte in jedem Fall, dass Sonja  im Allgemeinen keine Gefahr darzustellen schien. Sie laß dabei jede Intention, die wir Menschen im Kontakt mit ihr hatten. Kaum war sie mit Sonja frei auf der Wiese, hielt sie zwar viele Meter Abstand, ging aber auf Annäherung. Ähnlich empfindsam für Erwartungshaltungen, Gefühle und Druck waren natürlich auch die anderen Pferde.

Bei Lakota und den Teenies Lakida und Halley angekommen, legten wir den beiden Kleinen das Halfter an. Mit Halley übten wir weiter Liberty in der sie schon relativ oft und lange ihren Kopf sowohl im Stand als auch in der Bewegung gesenkt hielt. Weiter etablierten wir die „Blase“ für das Rückwärtsgehen und auch den am Vortag trainierten  „Handkuss“ bot sie super an. Wichtig und immer wieder erwähnenswert: Pausen, Pausen, Pausen! Pausen brauchen unsere Pferde, um über das soeben vollzogene Handeln nachdenken zu können bzw. diese Erfahrung vom Kurzzeitspeicher in den Langzeitspeicher zu übertragen.

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Auch den nächsten Schritt „Folge mir unter Druck“ leiteten wir ein, indem wir beim Antreten, den und Oberkörper einladend nach hinten nahmen. Folgte Halley unserer Einladung nicht, gingen wir auf ihre Hinterhand zu und machten damit Druck. Barbara schenkte sie sogar drei Schritte in Folge auf sie zu. Anschließend testete Dani bei Halley aus, wie sie sich bei der nächsten Übung, dem Führen von der Seite aus verhielt. Als Halley durch vermehrtes Gähnen zeigte, dass ihre Konzentration nachließ, beendeten wir das Training für diesen Tag.

Lakota bekam von Julia und Sonja simultanes Kraulvergnügen. Gleichzeitig wollten wir versuchen, ihn ein wenig aus seinem „Schneckenhaus“ heraus zu holen und hatten ihm heute, statt anstrengender Aufgaben den Ball zum Spielen gegeben und für ein paar Momente hatte der Ball Lakotas Interesse geweckt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass eine schlimme Erfahrung mit Menschen gemacht hatte. Er wurde damals als Hengst ohne Betäubung bei vollem Bewusstsein und mit zusammengebundenen Beinen gelegt (Kostenfaktor). Er ist sehr in sich gekehrt, daher dauert es bei ihm sehr lange, bis er einem Menschen Vertrauen schenken kann und aus sich herauskommt.

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Dani zeigte uns noch einige muskulaturlösende Grifftechniken am Pferd. Die kleine Maus Lakida erprobte mit Barbara erneut das Hufe geben, während Julia und ich ihr dabei halfen. Sie ließ sich schon viel besser ans Halfter nehmen und machte super mit.  Natürlich sprangen immer wieder tolle Schmusemomente für sie heraus!

Am Nachmittag teilten wir uns auf. Dani und Barbara zogen los zum großen Eukalyptusbaum, um eine Baumliege zu bauen. Julia und ich verbrachten unsere Mittagspause beim Trio. Als wir dort eintrafen, kamen uns die drei, Planeto voran, schon entgegengelaufen. Wir breiteten unsere mitgebrachte Decke am Boden aus, die ihr Interesse weckte. Wir kraulten die Vierbeiner und nach etwas Zeit beschlossen Yappa und Topaz sich gegenseitig zu Kraulen. Planeto hatte sich kurz davor entfernt und widmete sich der Nahrungsaufnahme. Die anderen beiden gingen anschließend auch wieder grasen und wir lagen auf unserer Decke und ruhten uns aus.

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Um 15.15 Uhr kehrten wir zurück auf die Farm, um um 16 Uhr für eine Trainingseinheit zu Yappa, Topaz und Planeto aufzubrechen. Außerdem stand auch noch eine Wurmkur an. Als wir Richtung Kundibakh fuhren, begann es zu regenen. Wir warteten etwas im Auto ab in der Hoffnung, dass der Regen nachlassen würde. Nach einiger Zeit des Wartens, wurde unsere Hoffnung erfüllt. Durch die verregnete Windschutzscheibe näherten sich drei unterschiedlich farbige Punkte dem Auto. Wir stiegen aus und lobten die Drei gleich kräftig fürs Kommen.

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Nach dem Aufhalftern begaben wir uns zur Yard. Planeto lief wie immer frei mit, er ließ sich heute jedoch besonders viel Zeit und hielt auch relativ viel Abstand. An der Yard angekommen, versuchte Julia Planeto Liberty in die Yard zu bringen, nach ein paar Versuchen klappte es. Julia startete mit Planeto und Halfter anlegen, was ebenfalls nach ein paar Versuchen erstmals klappte. Im Engpass der Yard bekam Planeto gleich seine Wurmkur verabreicht, die er erstaunlicherweise gut wegsteckte. Danach ging es gleich weiter im Training, damit wir mit ihm die Lerneinheit positiv abschließen konnten und er die Wurmkur nicht als letzte negative Erfahrung abspeichern würde.

Es folgen Yappa und Topaz. Gleich nach der Wurmkur geht es ebenfalls für sie weiter im Training. Julia versucht sich mit Topaz in Liberty auf freiem Feld. Obwohl sie die Freiheit hat jederzeit zu gehen und im weitläufigen Gelände zu grasen,entscheidet sie sich dafür, bei Julia zu bleiben. Was für eine tolle Erfahrung und welch ein Geschenk.

Da Yappa zu Beginn des Traings noch frisch war, versuchte ich früh einen Trab oder auch Galopp auf mich zu. Zunächst musste ich ihn kurz aufwecken, damit er seine Aufmerksamkeit auf mich lenkte. Nach einem ersten Versuch mit einem lockeren Trab ist Yappa wach und wir konnten loslegen. Als ich ihn in der Warteposition „mit Energie aufgezogen“ hatte, bekam ich gleich danach zwei mit ordentlich Schub versehene Galoppsprünge und danach noch einen flotten Trab auf mich zu. Leider Geil! Das ist ein echt überwältigendes Gefühl, wenn 600 kg einem auf diese Weise folgen! Nach diesem Erlebnis schenkte mir Yappa noch einen Rollback mit flottem Trab. Voll geil! 🙂

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Mit beiden Pferde machten Julia und ich auch noch die Gymnastiktechniken, die Dani uns am Vormittag an Lakota gezeigt hatte. Bei Topaz schien sich dabei ein Blockade im Rücken gelöst zu haben.

Planeto und Julia haben ebenfalls eine mega gute Liberty am Seil hingegt. Man bedenke, dass entgegengesetzt zu allen anderen „normalen“ Pferden für ihn Liberty am Seil die schwierigere Variante ist. Unser Ziel mit ihm, dass er sich ganz brav das Halfter anziehen lässt. Das war für ihn die bisher schwierigste Übung.

Als wir bei den Dreien fertig waren, war es schon kurz vor 19.30 Uhr. Wir packten zusammen und fuhren zur Farm, um Abendessen zu machen. Um 21.30 Uhr gab es lecker „Futter“. Die letzten sechs Tage hatten wir sehr intensiv mit den Pferden trainiert und freuten uns daher alle auf den morgigen Pausentag.

Koalas, Wallabys & Co.

Heute war „Freizeit“, freie Zeit für jede, um sich auszuruhen und zu erholen. Dani wollte auf der Farm bleiben bzw. sich auf der Cabine erholen. Sonja würde sehr wahrscheinlich Zeit bei Lumina verbringen und Barbara unternahm einen Besuch zum großen Eukalyptusbaum, um in der selbstgebauten Baumliege zu chillen. Julia und ich entschieden uns spontan für einen Ausflug in den Billabong Koala and Wildlife Park in der über 100 km nordtöstlich von Krambach gelegenen Stadt Port Macquarie.

Es war ein kleinerer Park, aber dennoch sehenswert. Der Park beherbergte Koalas, Kanguruhs, Wallabys, Rote Pandas, Schneeleoparden, Reptilien, Wombats, Adler, Eulen und Papageien und noch viele weitere Lebewesen der australischen Tierwelt. Sie sie dir am besten selbst an:

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Zurück auf der Farm, kam das Thema Lumina auf. Dani und Sonja waren bei Lumina gewesen und hatten versucht einen Schritt weiter zu gehen, mussten jedoch erkennen, dass Lumina aufgrund ihrer bisherigen (Über)Lebensart als Wildpferd längere Zeit brauchen würde, um engen Menschenkontakt auszuhalten oder sogar überhaupt zuzulassen. Dani hat ihr in ihrem Brumbie-Blog ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem du mehr über Lumina lesen kannst. Und schon war auch dieser Tag wieder vorbei.

Fortschritte

Heute zog es uns zuerst zum Trio Yappa, Topaz  und Planeto. Auf unsere Rufe kam uns Yappa als erster entgegen. Julia begrüßte Topaz und beide machen sich sogleich wie selbstverständlich Liberty (ohne Halfter und Seil) auf den Weg in die Yard – Topaz war in jeden Moment ganz nah bei ihr, sie hatte jederzeit die Möglichkeit zu gehen, zog es aber lieber vor bei Julia zu bleiben. Die beiden haben eine besondere Beziehung zueinander, sie haben sich echt gefunden.  Das Tagesziel der beiden war damit eigentlich schon erreicht. An der Yard angekommen döste Topaz ruhig vor sich hin, während Julia sie kraulte, putze und streichelte.

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Dani und Julia trainierten mit Planeto weiter daran, dass er sich das Halfter frei anlegen lässt. Nach anfänglicher Action und einigen Lerneinheiten ließ er sich schön aufhalftern. Im späteren Verlauf gewöhnte Julia ihn noch an das Bareback Pad, so dass er es zum Schluss völlig entspannt auch auf dem Rücken liegen hatte.

Angefangen haben wir mit einem zusammengeknüllten Seilchen in der Hand, mit dem Planeto im Bereich des Halses, Mähnenkamm und Kopfes berührt/gekrault wurde. Zusammengeknüllt deshalb, da es dann kleiner und weniger furchteinflösend ist. Das Ganze ist auch mit einem zusammengeknüllten Knotenhalfter möglich, welches man im Laufe der Zeit beim Streicheln/Kraulen immer großflächiger werden lässt.

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Planeto ließ das Seilchen eher über Nase und Stirn zu als seitlich am Hals, so dass Dani beginnend bei Nase, hinauf zur Stirn das Seilchen zwischen die Ohren und auf den Schopf legte und nach und nach die beiden Enden des Seilchens herunterbaumeln ließ, während siePlaneto damit weiter streichelte. Erst als dies klappte und Planeto ganz entspannt war, wanderte Dani mit dem Seilchen um das Genick herum und über den Mähnenkamm hin und her.

Im nächsten Schritt ging es auf die gleiche Art darum, dem jungen Hengst das Knotenhalfter anzulegen. Schwuppdiwupp lag das Knotenhalfter schon über Planetos Nasenrücken und wanderte langsam hoch zur Genickpartie und darüber hinweg. Danach wurde es auch schon geschlossen und Planeto mit etwas Futter belohnt. Es folgten ein bis zwei Wiederholungen mit anschließender Belohnung.

Mit Yappa und Topaz machten wir ein paar gymnastizierende Übungen, wie Schulterherein auf der Geraden und aus dem Zirkeln heraus sowie die ersten Ansätze für das Kruppe herein. Yappa und Dani legten noch eine Reiteinheit ein und trieben in einiger Entfernung auch zeitweise ein paar Kühe vor sich her. Bei der Rückkehr in Richtung Yard schenkte das Nachwuchs-Farmpferd Dani sogar den letzten Abschnitt im Trab, worüber sie sich sichtlich freute.

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Zu guter letzt fragte ich Yappa, ob er mir noch einmal ein „Komm zu mir“ im Trab oder Galopp geben wollte. Nachdem ich ihn wieder wie ein Spielzeugauto mit Energie aufgezogen hattee, legten wir los und er schenkte mir nach einer kurzen Trabeinlage sogar noch ein paar Galoppsprünge zu mir her – ein total geniales Gefühl zu sehen und zu merken, wenn das Pferd unbedingt bei einem bleiben möchte und noch toller, wenn es dann gespannt wie ein Flitzebogen in Aufrichtung auf einen zukommt. 🙂

Um 13.30 Uhr machte ich mich mit Barbara auf zum großen Eukalyptusbaum mit der Baumliege. Dort relaxten wir gemeinsam bei milden Temperaturen, einem lauen Lüftchen und einer Menge Fliegen bis der Rest unserer Truppe kam. Es lagen sehr viele abgebrochene Äste vom letzten Sturm um den riesigen Baum im Gras herum. Damit es beim nächsten Weideumtrieb der Rinder keinen Motoradunfall geben würde, sammelten wir die Äste auf und warfen sie auf kleine Häufchen in sicherer Entfernung zum Baumriesen.

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Die restliche Zeit verbrachten wir bei Lakota, Halley und Lakida in dem wir einen gemeinsamen Spaziergang machten, bei dem das erste Mal alle Drei am Seil liefen. Doch davor jagte uns die kleine Lakide noch einen Schreck ein: Als wir nach den Pferden riefen, kamen Lakota und Halley zu uns. Von Lakida, die normalerweise immer an der Seite ihrer großen Schwester läuft, war keine Spur! Die Zeit schien still zu stehen und wir machten uns schon Sorgen, da es hier durchaus möglich ist, dass wilde Dingos auch Fohlen reißen.

Als Dani einige Meter mit Lakota losgeritten war um nach ihr zu suchen, kam die kleine Träumerin ihnen ganz lässig und ohne Eile hinter dem Hügel hervor entgegen. Somit war dieses Trio wieder komplett. Nach einer „leckeren“ Wurmkur starteten wir unseren Spaziergang. Als wir wieder zurückkamen, übten wir mit Halley noch „Pad auflegen“ und Barbara verging sich danach noch an Halley Hinterhufen außerhalb der Yard, während Sonja und Lakota Liberty machten.

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Sonja, Julia und ich machten uns nach beendeter Trainingseinheit noch auf zu Lumina. Wir setzten uns auf der Koppel unter eine Baumgruppe und unterhielten uns, ohne etwas von der wilden Stute zu wollen. Sie graste 50-70 m von uns entfernt und zwei mal kam sie relativ nah (ca. 10-15 m) an uns verbeigetingelt, um die Lage zu checken.

Um 19 Uhr begann es zu dämmern, wir machten uns rasch zu Fuß zurück zur Farm. Heute hatten wir als Gast, einen langjährigen Freund von Kevin, beim Abendessen. Ken war auf dem Weg nach Newcastle im südöstlichen Teil des Landes und blieb diese Nacht bei uns. Er war etwa 1.90 m groß, hatte lange weiße Haare, lebte für gewöhnlich in einer Wohngemeinschaft mit giftigen Schlangen in einer Höhle und war seit 20 Jahren Vegetarier.  Wir unterhielten uns ein bisschen mit ihm und als wir in unser Zimmer gingen, hörte man ihn noch „O sole mio“ singen. 🙂

Selbstreflexion

Dani hatte uns heute Vormittag die Aufgabe gestellt, uns beim Training mit Yappa, Topaz und Planeto zu filmen, um zu sehen, wie weit wir unser Gefühl entwickelt hatten und wo sich vielleicht noch Fehler im alleinigen Umgang (ohne Coach) eingeschlichen hatten. Für Sonja und Barbara stand währenddessen eine Einzelstunde mit Lakota bzw. Halley und Lakida auf dem Plan.

Topaz folgte auch heute Julia wieder völlig frei bis zur Yard hinunter. Yappa versuchte ich ebenfalls Liberty zur Yard zu bringen, doch nach ein paar Schritten verlor ich ihn, als ich ihn nach seiner Hinterhand fragte. Da Planeto sich so schön anbot, dockte ich bei ihm an und hatte ihn die Hälfte der Wegstrecke zur Yard ebenfalls Liberty. Im Anschluss wechselte ich wieder zu Yappa, der nicht weit von Planeto entfernt war. Ich stoppte Yappa, halfterte ihn auf und führte ihn den restlichen Weg zur Yard.

Yappa schenkte mir während der Trainingseinheit vier bis fünf Galoppsprünge am Stück, mein Highlight bei unserem Selbstversuch. Julia machte zum Abschluss mit Topaz noch ein paar Blockaden lösende Übungen, wie sie uns Dani gezeigt hatte.Zurück auf der Farm analysierten wir alle gemeinsam unsere Videos und deckten noch ein paar kleine Fehler auf.

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Am Nachmittag gab mir Dani eine Einzelstunde mit Halley und unterstütze Julia bei Planeto. Vormittags hatten Dani und Barbara mit Halley im Ansatz den „Scheibenwischer“ am Seil eingeübt, den wir nun noch einmal verbessern wollten. Statt auf ihre Hinterhand zuzugeben, wenn Halley auf unsere Einladung nicht folgte, machten wir den „Scheibenwischer“. Wir machten das Ganze zweimal, danach kam sie sofort her, anfangs noch im Schritt, dann im Trab und zuletzt sogar im Galopp. Wuhuuu! Halley lernte so unglaublich schnell.

Im weiteren Verlauf, spielten wir mit ihr zusammen Indiana Jones. Ich rief erst ihren Namen, reagierte sie nicht bzw. kam sie nicht auf meine Einladung, kam der „Scheibenwischer“ (eine Variante von „Folge mir unter Druck“) zum Einsatz. Als Halley es mit einer Person gut meisterte, erweiterten wir das Ganze um eine Person: Ich rief Halley zu mir, bedankte mich fürs kommen und ließ mich von ihr zum oberen Tor der Yard bringen. Ich tat dann so, als wäre ich mit etwas anderem beschäftigt und Dani kam am unteren Tor herein und rief Halley zu sich. Das wiederholten wir ein paar Mal bis Halley von sich aus im Trab zu mir gelaufen kam.

Wir wollten nach diesem tollen Ergebnis gerade aufhören, indem ich mich ein letztes Mal von Halley zum Ausgang bringen lassen wollte. Sie blieb jedoch auf halbem Wege stehen und entfernte sich von mir, um herauszufinden was dann passieren würde. Als ich den „Scheibenwischer“ einsetze, um sie wieder zu mir zu rufen, konnte ich gar nicht so schnell kucken, als sie mir im Galopp entgegenkam und in angemessener Distanz mit einem kleinen kontrolliertem Steigen anhielt. Die Belohnung folgte auf dem Fuße. Das war ein krönender Abschluss, ein geiles Gefühl und Halley hatte sich ihre Pause redlich verdient.

In selben Moment fing es zu regnen an, so dass wir die Feedback-Runde im Auto abhielten. Um 19.30 Uhr trafen wir auf der Farm ein, um 21 Uhr aßen wir alle zusammen und danach hatten wir noch einen lustigen Karaoke- und Tanzabend.

Luftiges Mittagessen – Weiche Knie – Bye Bye

Nachdem wir heute Morgen alle etwas länger geschlafen hatten, frühstückte jede nach Belieben. Dani und Kevin machten sich gleich morgens gemeinsam auf zu den Pferden und kamen gegen 11 Uhr wieder zurück. Es war schon sehr heiß, so dass wir beschlossen erst am späten Nachmittag die Pferde besuchen.

Zum Mittagslunch bereiteten wir uns ausreichend Proviant vor.  Dani und Kevin fuhren mit uns hoch auf die Cabine (Kleines Häuschen oben am Hügel) – Dani mit dem Motorrad voraus, Kevin mit uns im 4×4 Geländewagen hinterher. Langsam arbeitete sich das Gefährt die unebene Grasstrecke mit zum Teil steilen Anstieg hinauf.

Quelle: Eigenes Bild

Oben angekommen aßen wir gemeinsam zu Mittag und genoßen anschließend bei entspannender Musik die wundervolle klare Aussicht über die Täler und die grünen teils bewaldeten Hügel zum Meer und den Vulkanen. Nach dem Chillaxen machten wir gemeinsames Brainstorming für unser Gruppenbild und schossen einige Bilder dafür.

Um ca. 14.30 Uhr machten wir uns auf den Rückweg bergab ins Tal zur Farm. Nach etwas Ruhezeit begaben wir uns um ca. 16.30 Uhr zu Yappa, Topaz und Planeto. Während sich die Drei bisher meist in der Nähe des dortigen Farmhauses aufhielten, standen sie heute unverhältnismäßig weit weg auf der Weide auf einer Anhöhe. Auf unsere Rufe reagierten sie heute nicht und so machten Julia und ich uns mit Halfter und Stick auf den Weg zu ihnen.

Quelle: Eigenes Bild

Wir waren so auf die Pferde fixiert, dass Julia eine sich ca. 40 cm von ihr entfernte schwarze Schlange übersah. Ich ging in etwas Entfernung links von und etwas vor Julia, so dass sich die Schlange genau in unserer Mitte befand. Als Julia sich auf gleicher Höhe zum Kopf des Reptils befand, bemerkte sie diese und machte vor lauter Schreck schreiend einen Satz zur Seite. Normal soll man wie angewurzelt stehen bleiben, aber in diesem Moment glaube ich, hätte ich genauso reagiert. Ich drehte mich nach rechts um, da ich ebenfalls die Schlange zuvor gar nicht bemerkt hatte und auch nicht erwartet hätte, auf weiter Flur zwischen Kühen und Pferden eine ca. 150 cm langes Reptil vorzufinden.

Dementsprechend waren wir beide geschockt. Julia hatte weiche Knie und musste sich vor diesem Schreck ersteinmal ein paar Minuten erholen. Die Schlange zog währenddessen zügig von dannen. Gott sei Dank handelte es sich um eine schwarze Schlange (ungiftig) und nicht um eine braune (giftig). Einen Schlangenbiss hätten wir nun wirklich nicht gebrauchen können. Womöglich war das der Grund, warum die Pferde heute nicht zu uns kommen wollten.

Quelle: Eigenes Bild

Als wir nach dem aufregenden Fußmarsch endlich bei den Pferden ankommen, laufen sie erst einmal ein Stück von uns weg, jedoch in die gewünschte Richtung. Als wir sie wieder eingeholt hatten, starteten wir einen neuen Versuch. Topaz wollte heute nicht gern mit Julia kommen, Yappa wollte beim Anblick des Halfters das Weite suchen. Schließlich gelang es uns doch noch Topaz und Yappa aufzuhalftern und machten uns auf den Weg zur Yard. Planeto, der meistens voranläuft, ließ sich Zeit und weit zurückfallen.

Das war nun die letzte gemeinsame Zeit mit den Wilden, so dass wir es heute bei Streichel- und Krauleinheiten beließen und bei den Pferden hoffentlich in guter Erinnerung bleiben würden. Jede von uns beiden durfte sich allein mit der nötigen Zeit von „ihren“ Pferd/en verabschieden.

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Die nächste Station war Lumina, der Sonja das Halfter, das sie die letzten Tage zur Gewöhnung anbehalten hatte im Engpass der Yard abnahm. Auch Sonja durfte sich alleine von Lumina verabschieden. Zuletzt sagten wir Lakota, Halley und Lakida ade. Barbara und ich sagten Halley, der mittlerweile properen frechen Jungstute mit extrem schneller Auffassungsgabe tschüss. Lakida wurde ein letztes Mal mit Barbaras Liebkosungen versorgt. Sonja verabschiedete sich von Lakota, dem ersten von Dani gezähmten Wildpferd.

Als wir aufbrachen und uns auf den Weg zum Auto machten, standen Lakida und Halley am Zaun und kuckten uns hinterher, als wollten Sie sagen „Wie, ihr geht schon? Ihr kommt aber schon wieder, oder?“ Tschüss, macht es gut ihr Lieben!

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Zu Beginn der zwei Wochen noch so weit entfernt, stand er nun doch plötzlich vor der Tür – der Sonntag, der Abreisetag. Die zwei Wochen waren viel zu schnell vergangen und irgendwie war ich noch gar nicht bereit wieder zu gehen. Irgendwie war ich noch nicht auf die Abreise vorbereitet, gefühlt hätte ich für mich selbst noch eine weitere Woche gebraucht.

In den letzten zwei Wochen konnte ich die Menschen um mich herum näher kennenlernen: Ihre Einstellungen und Werte, ihre Hobbies und berufliche Tätigkeit, ihre Familie, was sie bewegt etc. Ich konnte mit ihnen Spaß haben, mich ihnen ein Stück weit anvertrauen, Freude und Leid teilen, neue Einsichten gewinnen, Freundschaften knüpfen.

Quelle: Eigenes Bild

Kevin, der Farmbesitzer hat uns für die Zeit unseres Aufenthalts ein Zuhause gegeben. Dieser wunderschöne Flecken Erde ließ mich zur Ruhe kommen, ich konnte meine Seele baumeln lassen. Die dortige Vogelwelt in Kombination mit der atemberaubenden Landschaft war eine Wohltat für meinen Geist. Zeit spielte dort keine Rolle. Die Sonne ging morgens um 7 Uhr beginnend an einer bestimmten Hügelspitze auf und warf ihre Strahlen Stück für Stück auf den Hügel hinunter. Der Wechsel von Tag und Nacht war hier besonders schön anzusehen. Auch der Sternenhimmel bei klarer Nacht war und ist einfach traumhaft.

In der Arbeit mit den Wildpferden fand ich mein (Bauch-)Gefühl und lernte wieder darauf zuvertrauen, statt wie so oft die reine Vernunft des Kopfes vorherrschen zu lassen. Dani durfte ich sowohl als Trainerin (sehr genau, ruhig, fair und respektvoll gegenüber Mensch und Pferd) als auch privat als angenehmen verständnisvollen Mensch in ihrem zweiten Zuhause kennenlernen.

Diese Zeit war für mich sehr bereichernd und ich habe einiges über mich selbst erfahren, meine Grenzen neu stecken können, was mir in der Beziehung zu mir selbst, anderen Menschen und Pferden sehr weitergeholfen hat und sicherlich auch künftig weiterhelfen wird.

Auf anderem Weg zurück

Um 6.15 Uhr klingelte mein Wecker. Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen und verabschiedeten uns von Kevin und den übrigen Hausbewohnern. Jede erhielt als nette Geste noch einen Eukalyptuszweig mit auf den Weg. Dani fuhr uns zurück zur Zugstation Gloucester. Auf der Rückfahrt dort hin sprach lange keine von uns ein Wort.

Ich genoss noch einmal die wundervolle Landschaft, lies ein paar Dinge Revue passieren und dachte erstmals (leider) an die Zeit zuhause und wie ich mich denn dort überhaupt wieder in den Alltag einfinden würde.

Da unsere Abreise auf einen Sonntag fiel, fuhr heute kein Zug zurück nach Gloucester. So ging es um 11 Uhr per Taxi zurück bis nach Maitland. Von dort aus ging es mit dem Bus weiter nach Sydney (Central Station), wo wir um ca. 15 Uhr eintrafen. Zurück in der Stadt, musste ich mich langsam wieder an den Lärm gewöhnen. Nachdem wir uns ein U-Bahn-Ticket besorgt hatten, machten wir uns zu viert auf den Weg in den Untergrund – unsere Koffer im Schlepptau.

Quelle: Eigenes Bild

Barbara und Sonja nahmen aufgrund der Lage ihres Hotels eine andere Bahnlinie als Julia und ich. So trennten sich also hier nach 14 Tagen Gemeinsamkeit unsere Wege, um die Heimreise anzutreten. 🙁 Nach fünf Stationen stiegen Julia und ich an der Arncliffe Station aus und machten uns auf die Suche nach unserem Hotel, das nicht unweit von der Station gelegen war. Nach einer freundlichen Auskunft eines Gastes in einem Restaurant, wussten wir wo es lang ging. Fragen kostet nix. 🙂

Im Vergleich zu Krambach, war es in Sydney wesentlich wärmer und da wir uns für die Zugfahrt auf eine verstärkte Klimatisierung eingestellt hatten, kamen wir auf dem Weg zum Hotel ins Schwitzen. Als wir das Hotel erreicht und eingecheckt hatten, besorgten wir uns unser Abendessen und Frühstück für den nächsten Tag in einem nahegelegenen kleinen Supermarkt. Ich persönlich finde es spannend, welche Produkte in anderen Ländern im Supermarkt angeboten werden und könnte dafür allein schon einen Tag im Supermarkt mit Stöbern verbringen.

Zurück im Hotel, es war ca. 17.30 Uhr verputzten wir bei australischem Fernsehprogramm unser Abendessen. Da unser Flug am Montag um 06.00 Uhr morgens ging, brauchten wir an diesem Abend nichts Großartiges mehr unternehmen. So machten wir uns frisch und gingen relativ früh schlafen, denn der Wecker würde um 03.00 Uhr morgens klingeln.

Quelle: Eigenes Bild

Goodbye Australia – Irgendwann sehe ich dich wieder!

Der Morgen kam früh. Um 4 Uhr standen wir parat für das am Vortag bestellte Taxi, das uns zum Flughafen Kingsford Smith bringen sollte. Nach dem Boarding um etwa 05.15 Uhr und einer vollständig ausgefüllten und dort hinterlassenen Ausreisekarte bestiegen wir das Flugzeug, wieder ein A380.

Um 06.05 Uhr hob der dicke Vogel ab, vor uns lagen ca. 14 Stunden Flug nach Dubai. Diese Zeit verbrachte ich mit dem Konsum von verschiedenen Filmen und dem Versuch etwas zu Schlafen. Immer wieder während der langen Rückreise kamen meine Gedanken zurück zu all den Erlebnissen und Erfahrungen mit den Pferden, der Farm, den Menschen dort und dem Land selbst.

Beim Schlusslied „I see fire“ von Ed Sheeran des Films „The Hobbit“ kamen mir die Tränen (warum kann ich nicht erklären). Hätte ich nicht im Flugzeug inmitten anderer Personen gesessen, hätte ich direkt darauf losgeheult, so konnte ich meine Gefühle an das Erlebte gerade noch bändigen und es blieb bei ein paar Tränen, die meine Wangen herunterkullerten. Dieses Lied werde ich, warum auch immer, für immer mit dieser Australienreise verbinden.

Nach dem Blitz-Zwischenstopp in Dubai und der damit unweigerlich verbundenen Weiterreise gen Heimat, entfernte ich mich zwar physisch immer weiter von diesem wundervollen Land und den dort gemachten Erfahrungen, doch so kitschig das jetzt auch klingen mag (und normalerweise hasse ich Kitsch), mein Kopf und mein Herz waren irgendwie noch dort geblieben. Diese zwei Wochen waren eine erlebnis- und entwicklungsreiche Zeit, die mir hoffentlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Geschafft von der langen Reise traf unser Flugzeug um 21.05 Uhr deutscher Zeit am Flughafen München ein. Wir sammelten unser Gepäck ein und begaben uns zum Ausgang, wo wir auch schon von unseren Lieben erwartet wurden. Ich freute mich wirklich wieder zuhause bei meinem Schatz, meinem Pferd etc. zu sein und doch hätte ich gern noch etwas Zeit auf der Farm verbracht.

Aklimatisierung in der Heimat – Veränderungen beginnen

Zurück im Alltag war der Lärm die ersten Wochen  für mich fast unerträglich. Alles nervte tierisch: Das Straßenverkehr, das Klingeln der Telefone auf Arbeit, das Radio im Auto, der Fernseher zuhause, einfach alles was Geräusche von sich gab, war es noch so leise – ich hörte schier das Gras wachsen. Mir wurde bewusst, was Ruhe wirklich bedeutet, nachdem ich sie erfahren hatte und von wieviel Lärm wir Tag für Tag eigentlich umgeben sind, gegen den wir mit der Zeit einfach resistent werden.

Bereit für meinen herkömmlichen Trott war ich nicht wirklich. Noch gar nicht richtig angekommen, wünschte mich oft zurück auf die Farm und der dort erfahrenen Ruhe/Stille. Dachte ich daran, war ich den Tränen nah.

Ich begab mich in die Hände einer Heilpraktikerin mit deren Hilfe ich meine Vergangenheit endgültig aufarbeiten und verarbeiten konnte, so dass diese mich inzwischen auf meinem weiteren Lebensweg nicht mehr belastet. Ich habe gelernt mehr auf mich zu achten und nicht nur anderen alles Recht zu machen, egal welchen Preis ich dafür zahle. Ich habe gelernt, nicht immer zu „müssen“, ich muss nicht dies oder muss nicht jenes noch erledigen, wenn dies oder das nicht gemacht ist, geht die Welt auch nicht unter. Ich versuche das zu machen, wonach mir gerade ist. 🙂

Durch diese persönlichen Veränderungen und die Erfahrungen im Umgang mit den Wildpferden habe ich auch eine neue Beziehungsebene mit meinen Pferd erlangt. Darüber freue ich mich sehr.

Wie eingangs beschrieben, hielt ich mich wann immer es ging draußen in der Natur und bei meinem Pferd auf, fand dort meine Erholung. Der Aufenthalt in Räumen fiel mir sehr schwer. Die Umstellung auf Winterzeit war dieses Jahr für mich besonders problematisch und ich bin froh, dass nun die Tage bereits wieder länger werden. Die Veränderungen sind nachhaltig …

Obwohl es uns die zwei Wochen auf Kooloombakh an nichts mangelte (wir hatten ein Dach über dem Kopf, ein eigenes Bett, frei wählbares Essen, Bad/Toilette/Dusche) wurde mir in dieser Zeit wieder bewusst, welchen Standard man zuhause hat und dass es einem verdammt gut geht. Wasser ist sowohl für Mensch, Tier und Natur ein kostbares Gut, dass es zu schützen gilt.

Lebensmittel wie z. B. Saft, Milchprodukte, Obst, Schokolade/Süßigkeiten und Nüsse, wie auch die Mieten und Immobilien sind in Australien extrem teuer. Wer nichts verschwendet bzw. gut verwertet, hat länger etwas davon. Die Benzinpreise sind vergleichbar mit den Preisen an deutschen Tankstellen.

Auf der linken Straßenseite zu fahren, ist Gewöhnungssache und auch nicht so schlimm, wie ich es mir bis dahin vorgestellt hatte. In der Stadt mag das sicher noch einmal etwas anderes sein, auf dem Land hat man es nach einigen Tagen intus.

Die Kommunikation in englischer Sprache ist auch für weniger Sprachbegabte machbar. Auch wenn man nicht immer das richtige Wort trifft, verstehen einen die Leute trotzdem. Es ist jedoch von Vorteil, wenn man sich auf Englisch unterhalten kann, denn dann erfährt man einfach mehr über die Menschen dort. Da ich nicht unbedingt zu den sprachfreudigsten Menschen gehöre und ich Englisch (leider) fast so gut wie nie im Alltag brauche, war es etwas eingerostet, wodurch ich manchmal in meiner Kommunikation einfach etwas begrenzt und unsicher war.

Als eher sicherheitsbedachter Typ Mensch bin ich eher scheu was Unbekanntes angeht. Auch wenn ich es auf eine Art gar nicht möchte, zwinge ich mich jedoch selbst neue Wege zu gehen, Neues zu entdecken, neue Erfahrungen zu sammeln, mir selbst zu beweisen, dass ich das schaffen kann.  Ich locke mich daher selbst aus meinem Schneckenhaus heraus, indem ich mir bewusst Herausforderungen, wie diese Reise stelle, hinter denen ja ein Wunsch oder Traum steckt.

Auf Dani’s Facebookseite habe ich ein schönes Zitat von Arthur Clarke gelesen: „Die Grenzen des Möglichen lassen sich nur dadurch bestimmen, dass man sich ein wenig über sie hinaus ins Unmögliche wagt.“. Genau, so war es.

Meine Angst vor dem Unbekannten stand dem Wunsch, mindestens einmal Australien zu bereisen und selbst einmal die Erfahrung mit Wildpferden zu machen, entgegen. Ich wollte selbst erleben, wie es in Australien ist, selbst Eindrücke sammeln und nicht nur den Erzählungen anderer Personen lauschen, die dieses wundervolle Land selbst bereist hatten.

Ich wollte es selbst erleben, wie sich wild lebende Pferde verhalten, wie man sich ihnen gegenüber verhält (jede Bewegung hat eine Bedeutung!) und diese Erfahrung im Umgang mit meinem eigenen Pferd einfließen lassen. Ursprünglich wollte ich die Erfahrung mit Wildpferden in den USA mit Mustangs machen, doch als ich im Internet auf Danis Angebot stieß, mit Wildpferden in Australien zu arbeiten, bestand die Chance diese beiden Wünsche auch noch miteinander zu vereinen.

Ich hatte noch keine Kinder, was es etwas leichter machte (es geht natürlich auch mit Familie, wie es Barbara bewiesen hat) und habe nach wie vor einen wundervollen Partner, der mir die Freiheit ließ und mich unterstützte, dieses Abenteuer zu wagen und zuhause die Stellung während meiner Abwesenheit hielt.

Aufgrund der finanziellen Mittel schlug mein Verstand dieses Vorhaben erst einmal aus, ich hegte jedoch weiterhin den Wunsch . Zu dieser Zeit war der Song von Asaf Avidan „One day we’ll be old“ auf allen Radiosendern der Hit. Ich mochte dieses Lied sehr und irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich mir dachte: „Ja genau, eines Tages bist du alt und hast in deinem Leben kaum etwas erlebt, nur weil du dich nicht getraut hast bzw. dich selbst begrenzt hast. Du wirst nie wissen, wie es gewesen wäre, weil du nicht nicht getraut hast, obwohl du die Chance hattest. Du wirst später nichts darüber deinen Kindern erzählen können. Wenn du es jetzt nicht machst, machst du es wahrscheinlich nie mehr.“.

Damit sollte Schluss sein und so entschloss ich mich im November 2013 mir diesen Traum doch zu erfüllen und zwar nicht erst, wenn ich alt, sondern noch in der Lage wäre, nämlich genau im März 2014.

Mir hat diese Reise sehr viel gebracht, sowohl für den Umgang mit Pferden, mit anderen Menschen und für mich selbst. Normalerweise habe ich alleine und gerade in fremder Umgebung Heimweh. Komischerweise hatte ich das nicht einen Tag während meines gesamten Aufenthalts in Australien. Natürlich war nicht immer Sonnenschein angesagt. Es gab auch Konflikte, aus denen gelernt werden konnte.

Anfangs eigentlich mehr der Pferde wegen, hat diese Reise auch mich persönlich weitergebracht  und selbst jetzt, schon fast 1 Jahr später, zurück im ganz normalen Wahnsinn des Alltags und während ich diese Zeilen schreibe, kriege ich immer noch „Pippi“ in den Augen, wenn ich an das Erlebte dort denke oder anderen Menschen von dieser Zeit erzähle. Ich kann nicht erklären, warum, es ist so. Ich bin froh, diesen Schritt gewagt zu haben und es stimmt: „You can go but you can never leave“.

Zuletzt bleibt mir nur zu zitieren: „One day you’ll leave this world behind. So live a life you will remember“ (Avicii, The Nights). Lebe deine Träume!

Quelle: Eigenes Bild

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