4. Fachtagung der Anja Beran Stiftung – Pferdeausbildung mit Gefühl und Respekt

„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde …“ besagt ein Sprichwort. Doch nicht nur auf dem Rücken der Pferde kann man Glück finden sondern natürlich auch im täglichen Umgang mit ihnen.

So begann die 4. Fachtagung der Anja Beran Stiftung im Circus Krone München am 24.11.13 mit der bekannten Dressurausbilderin Anja Beran und Jana Mandana, der Juniorchefin des größten europäischen Circus-Unternehmens Circus Krone.

Sie hießen alle Interessierten herzlich willkommen und so startete Anja Beran als Initiatorin dieser Veranstaltung auch gleich mit einer kurzen Vorstellung der Anja Beran Stiftung.

Das Ziel der 2009 gegründeten Stiftung besteht darin, die klassische Reitkunst zu bewahren, welche auch den Tier- und Naturschutz einschließt.Denn nur schonend und pferdegerecht ausgebildete Pferde bleiben lange gesund, zufrieden und leistungsfähig.

Die momentan wichtigste und anspruchsvollste Aufgabe der Anja Beran Stiftung, ist die Ausbildung  junger, befähigter Eleven, die nachhaltig das fast verloren gegangene Wissen wieder praktizieren und verbreiten sollen.

Die klassische Reitkunst definiert Anja Beran wie folgt:

... die Fähigkeit, das Pferd durch Güte und logisch aufgebaute Übungen, die auf den Naturgesetzen von Gleichgewicht und Harmonie basieren, so auszubilden, dass es sich zufrieden und selbstbewusst dem Willen des Reiters unterwirft, ohne dass sein natürlicher Bewegungsablauf auf irgendeine Art darunter leidet. Ein weiteres Ziel ist die Minimierung der Reiterhilfen. – Anja Beran, Aus Respekt!, WuWei-Verlag, 2005, 1. Auflage

Anknüpfend daran wurde auf die aktuelle Situation in der Reiterei eingegangen. Eine große Begeisterung für das Pferd ginge einher mit großen Defiziten (z. B. wie steigt man richtig auf ein Pferd auf oder, dass viele Menschen denken sie könnten nicht gut reiten und kaufen sich dementsprechend ein junges Pferd, weil das ja auch nichts könne – doch  hier begännen die Probleme dann erst) und einen großen Wissenverslust.

Zudem wären keine konkreten Anleitungen zur tiefgründigen Ausbildung vorhanden.

In der aktuellen Sportreiterei greife man oft zu zweifelhaften Methoden, es gäbe Probleme mit dem Sitz usw.

Der aktuellen Freizeitreiterei fehle das Wissen um die Gymnastizierung, auch hier gäbe es Probleme beim Sitz.

Zudem wären in diesem Bereich kaum gute Lehrpferde vorhanden, die dann auch immer wieder korrektur geritten werden müssten um gute Lehrpferde zu bleiben. Unkenntnis führe zu  frühzeitigem Verschleiss und psychischen Problemen als Konsequenz.

Früher wurde das Pferd zum Gebrauch ausgebildet, deshalb die Dressur. Da die Reiterhand für jegliche Aktivitäten frei sein musste, sollten sich die Pferde im Gleichgewicht befinden, was auch ihrer Gesundheit zu Gute kam.

Man wählte entgegen der heutigen Entscheidung nicht die besseren Pferde für die Ausbildung zum Gebrauch, sondern die schlechteren Pferde aus. Denn je schlechter ein Pferd war, umso mehr benötigte es gymnastizierende Übungen der Hohen Schule, um es für den Gebrauch auszubilden.

So solle es heute auch kein Denken in verschiedenen Reitstilen wie Barockreiten, Dressurreiten etc. geben, denn es gäbe nur eine Dressur und zwar die, die dem Pferd helfe.

Dressur ist die Mutter und Basis jeglicher Reiterei. – Anja Beran, Vortrag 4. Fachtagung der Anja Beran Stiftung, Circus Krone München, 24.11.2013

Weiter ging es mit den Voraussetzungen eines guten Ausbilders nach Oberst Hans von Heydebreck (Buch „Die deutsche Dressurprüfung – Das Gebrauchspferd“, 1935).

Dieser benötige sowohl entsprechende körperliche Voraussetzungen als auch charakterliche wie Geduld, Fleiß, Disziplin, Respekt, Demut, Güte, Liebe zur Kreatur, Höflichkeit. Denn die Problematik beim Reiten sei, dass Körper und Geist des Menschen involviert seien PLUS ein anderes Lebewesen.

Sodann wurden nacheinander zwei Jungpferde in der Manage vorgestellt.

1. Pferd: Hannoveraner-Wallach, 4 Jahre
2. Pferd: Lippizaner-Wallach, 5 Jahre, aus Wiener Hofreitschule

Anschließend folge ein Vortrag zum Mentaltraining  vom Mentalcoach/Führungskräftetrainer Johann Garnitschnig, denn der Kopf spielt beim Reiten eine überaus wichtige Rolle.

Praxisteil Mentaltraining – Klare Gedanken

Nach einer einstündigen Pause ging es im Programm wieder mit zwei Vierbeinern weiter.

3. Perd: PRE-Hengst, 17 Jahre
4. Pferd: Lusitano-Hengst

Nun kam ein sehr wichtiges und interessantes Thema auf den Tisch: Der aufrechte Sitz, vorgestellt von Veronika Brod und Vera Munderloh.

Praxisteil Körperbeherrschung – Der aufrechte Sitz

Nach diesem interessanten Vortrag kamen zur Abwechslung nun wieder Pferde in die Manege. Das Thema des aufrechten Sitzes wurde nun wie folgt auch noch in der Praxis dargestellt.

5. Pferd: Lippizaner-Hengst

Nun folgte eine Showeinlage von Anja Beran persönlich im Sattel und einer Sängerin, die während sie sang aus dem Publikum in die Manege wanderte.

Den Abschluss bildete eine Vorstellung von sechs schwarzen Junghengsten der Rasse Nonius durch Jana Mandana des Circus Krone. Diese kamen dreijährig aus Ungarn nach Deutschland zum Circus Krone und sind aktuell vierjährig und dort sein einem Jahr im Training.

Sie traten das erste Mal vor Publikum auf, daher war es nicht verwunderlich, dass Manches durch die neue Situation nicht ganz so klappte, was jedoch auch amüsant war.

Da war z. B. das schnell aufeinanderfolgende Klicken der Spiegelreflexkameras der Pressevertreter oder das sich durch die Menge verstärkende Lachen des Publikums, das eines oder mehrere der Tiere irritierte.

Es wurde deutlich, dass es kein Leichtes ist mit sechs Jungpferden gleichzeitig in der Manege zu arbeiten. Jedes Pferd muss seinen Namen kennen und zu hundert Prozent darauf reagieren, wenn es beispielsweise einzeln eine Lektion ausführen soll.

Jedes der Pferde hat seinen Platz in der Reihenfolge. Sollte die Reihenfolge auseinanderbrechen oder sich eines der Pferde herauslösen, wird es durch ein Kommando wie z. B. „An Platz“ wieder an seinen Platz in der Reihenfolge geschickt und darauf muss das Pferd auch reagieren.

Wenn das noch nicht ganz klappte, kam ein Helfer des Circus Krone zur Unterstützung und nahm den einen oder anderen Hengst zeitweise an den Führstrick und begleitete ihn bis wieder Ruhe einkehrte.

Mein Fazit: Es war eine schöne und lehrreiche Veranstaltung, die mich persönlich wieder inspiriert hat, weiter an mir und mit meinem Pferd in Richtung klassischer Reitkunst zu arbeiten, um dem vorgeführten anmutenden und harmonischen Zusammenspiel von Pferd und Reiter/in durch Respekt und Gefühl wieder ein Stück näher zu kommen.

 

 

 

Nicht dein Thema gefunden?

Suchst du hier nach einem bestimmten Thema und bist nicht fündig geworden? Gerne kannst du mir die Themen, die dich interessieren oder bei denen du ein Problem hast und nach einer Lösung  suchst ganz anonym per E-Mail zusenden. Nutze dafür bitte dieses Kontaktformular. Ich freue mich über deine Anregungen! Liebe Grüße, Sabine.